Randbemerkungen zu Österreich

Zum Jahresabschluss 2020 widmet sich der BSA Döbling den „Randbemerkungen zu Österreich“, einem Streifzug durch die österreichische Seele und ihrer Gemütszustände. Geleitet wir das Gespräch von Matthias Vavra.

So etwas wie eine österreichische Seele kann Daniela Kickl, Autorin und Cousine von Herbert Kickl, nicht erkennen: dafür sind die Unterschiede innerhalb des Landes zu groß. Eine Wiener Seele gibt es ganz bestimmt, und sie bringt dafür ein Beispiel.

Dadurch, dass es in Wien sowohl eine starke Medienpräsenz, als auch zahlreiche Sitze nationaler und internationaler Konzerne gibt, strahlt die Wiener Seele auf Österreich aus, meint der Kabarettist und Autor Professor Joesi Prokopetz. Der Wiener, wie der Österreicher insgesamt, neigt zum Euphemismus und zur Verniedlichung und ist gemeinhin denkfaul. Viele der Klischees, die weltweit mit Wien und Österreich verbunden werden, stammen aus der Zeit der UFA-Filme der Nachkriegszeit.

Der Schweizer Journalist und politische Kommentator Dr. Charles Ritterband sieht große Mentalitätsunterschiede zwischen Schweizern und Österreichern: erstere sind eher nüchtern, zweitere gerne mal barock und charmant. Die Wiener Seele sieht er sehr zwiespältig: oft sehr freundlich, aber auch sehr hinterhältig – vor allem wenn man ihr den Rücken zuwendet. Die österreichische Seele ist sehr selbstverliebt und gleichzeitig voll von Minderwertigkeitskomplexen. Bestes Beispiel bzw Dokument dafür ist der Film 1.April 2000 aus dem Jahre 1952.

So, wie es keine arabische Seele gibt, so gibt es auch keine einheitliche österreichische Seele, meint Omar Khir Alanam, Autor von Sisi, Sex und Semmeknödel. Wenn man Veränderungen in der Demokratie erreichen will, darf man nicht beim Schimpfen verharren, sondern muss sich selbst einbringen. Politiker müssen wieder den ehrlichen Dialog mit den Menschen suchen, um ernst genommen zu werden.

Die Welt verblödet immer mehr: die Bildung verfällt, die Menschen werden mehr und mehr entmündigt, und das dürfte den handelnden Personen auch so passen, meint Daniela Kickl. Diese Entwicklung geht weit über Österreich hinaus. In der Analyse des Erfolges rechter Parteien dürfe man sich nicht in Kleinigkeiten ergehen (Mohr-im-Hemd-Diskussion) – ein Fehler, der immer häufiger gemacht wird.

Der Zustand einer Gesellschaft bildet sich in der Sprache ab – und dieses moderne „bunte Illustrietendeutsch“ beherrscht Kurz am besten, so Prokopetz. Deshalb sei er beim Volk so beliebt, auch bei Gebildeten. Diese Fähigkeit ist heute in zahlreichen Branchen gefragt, zB auch bei vielen Kabarettisten: Pointen dürfen nicht mehr polarisieren, sondern müssen mehrheitsfähig sein.

Weitere Themen dieser Veranstaltung umfassen den Erfolg rechter Parteien und Politiker in Österreich, der „grüne Deckmantel“ für Kurz, Thomas Bernhard als Österreichversteher, die Un/Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderungen, das riesige PR-Budget der Regierung, übertriebene political correctness und weitere interessante Fragen aus dem Publikum.

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Randbemerkungen zu Oesterreich Wolfgang Müller 1

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