Straßenverkehrsunfälle in Nepal

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Nepal ist ein Land, das permanent mit Schwierigkeiten konfrontiert ist und auf dem Weg zum Fortschritt und zur Entwicklung vor großen Herausforderungen steht. Trotz der unzähligen Probleme sind übrigens Verkehrsunfälle in Nepal eine brandaktuelle und besorgniserregende Thematik. Straßenverkehrsunfälle ereignen sich in diesem Land täglich, sogar stündlich, und jedes Jahr sterben Tausende von Menschen dabei.

Verkehrsunfälle sind zwar weltweit die achtthäufigste Todesursache und sollen bis 2030 unter die ersten fünf steigen, in Nepal zählen sie jedoch zu den häufigsten Todesursachen. Auch wenn die Zahlen bereits hoch sind, so wird prognostiziert, dass sie sich bis 2030 sogar noch verdoppeln würden. Busunfälle ereignen sich in Nepal zunehmend, vor allem bei Feierlichkeiten in hügeligen Regionen, wohingegen andere Unfälle durch Motorräder, Kleinbusse, Autos, Jeeps, Wohnmobile etc. in Kleinstädten, Städten und den Terai-Regionen herbeigeführt werden.

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Die Bevölkerungsrate in Nepal stieg von 2001 bis 2018 um 25% von 23,2 Millionen auf 28,98 Millionen, wohingegen die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge von 2006/2007 bis 2016/2017 von 626.174 auf 2.551.138 zunahm. Dies zeigt, dass der Trend zum Fahrzeugkauf im Land deutlich zugenommen hat.

Nach Angaben des Department of Transport Management (Do.T.M.) wurden in den ersten sechs Monaten der Jahre 2016/2017 211.969 neue Fahrzeuge im Land zugelassen. Etwa 80% dieser Fahrzeuge sind Zweiräder (Motorräder), gefolgt von Leichtfahrzeugen wie Autos, Jeeps und Kleintransportern. Dieser Zuwachs an Fahrzeugen auf den Straßen in Nepal verläuft parallel zur Zunahme von Verkehrsunfällen und den damit einhergehenden Verletzungen.

In Nepal werden Verkehrsunfälle von der Verkehrspolizei in jedem Bezirk und im Polizeipräsidium in Kathmandu (der Hauptstadt von Nepal) für das gesamte Land erfasst. Ein Verkehrsunfall bezieht sich auf eine Verletzung oder den Tod eines Verkehrsteilnehmers als Resultat eines verkehrsbedingten Unfalls, an dem mindestens ein Kraftfahrzeug mit zwei Rädern involviert ist; dabei zählen Straßenverkehrsunfälle zu den häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle (auf Rang 12) und dafür, dass die Opfer ein Leben mit Behinderung führen müssen (auf Rang 11).

Die Zahl der Verkehrstoten pro Jahr ist weitaus höher als die Zahl der Opfer von Naturkatastrophen und sonstigen Epidemien: Die Todesfälle bei Malaria beliefen sich beispielsweise 2009 bis 2010 auf 614 Personen und die Seuche von 2006 forderte 200 Menschenleben, wohingegen allein in den Jahren 2009 bis 2010 insgesamt 1.734 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen.

Die Sterblichkeitsrate aufgrund von Verkehrsunfällen hat sich von 2001 bis 2013 fast verdoppelt. Ein Hinweis darauf, dass sich dieses Phänomen schleichend ausbreitet. Die Mortalitätsrate von 7/100.000 Menschen – aus einer Studie für 2011-2012 aus polizeilichen Daten abgeleitet – ist niedriger als die WHO-Schätzung von 17/100.000 Menschen für 2013, was wiederum bedeutet, dass nicht alle Verkehrstoten in den Polizeidaten inbegriffen sind. In Nepal ereignen sich die durch Verkehrsunfälle verursachten Todesfälle hauptsächlich auf Autobahnen und auf Bezirksstraßen außerhalb des Kathmandu-Tals oder anderer Großstädte. Bei den meisten dieser Unfälle handelt es sich um Busse in hügeligen Gegenden, in denen diese häufig von der Straße abkommen. Die Überlebenschancen der Passagiere sind bei solchen Unfällen gering.

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Abgesehen von den verkehrspolizeilichen Daten werden weitere Informationsquellen im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen aus den Krankenakten der Krankenhäuser herangezogen. Frühere Krankenhausstudien belegen, dass Personen im Alter von 20 bis 40 Jahren, Männer, Fußgänger und Motorradfahrer am ehesten zu den Opfern von Verkehrsunfällen zählen. Dies ist in Anbetracht der Beliebtheit von Motorrädern bei den 20- bis 40-Jährigen durchaus keine Überraschung. Die Fahrer von Fahrzeugen sind in Nepal überwiegend männlich.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht zeigt, dass das Land in den Jahren 2015-2016 durchschnittlich 27 Unfälle und fünf Tote pro Tag bei Verkehrsunfällen zu verzeichnen hatte. In den Jahren 2015-2016 starben bis zu 2.006 Menschen bei Verkehrsunfällen im Vergleich zu 2.004 in den Jahren 2014-2015, obwohl die Verkehrseinrichtungen relativ unverändert geblieben sind. In den Jahren 2015-2016 starben 2.006 Menschen und 13.048 wurden verletzt, 4.882 wurden bei 10.013 gemeldeten Verkehrsunfällen nach Angaben der nepalesischen Polizei schwer verletzt. Im Zeitraum 2008-2009 starben insgesamt 1.365 Menschen bei Verkehrsunfällen, gefolgt von 1.734 im Zeitraum 2009-2010, 1.689 im Zeitraum 2010-2011, 1.837 im Zeitraum 2011-2012, 2.816 im Zeitraum 2012-2013 und 1.786 im Zeitraum 2013-2014. Diese Zahlen zeigen die hohe Sterblichkeitsrate in Nepal nach einem Verkehrsunfall.

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Einem Bericht der Metropolitan Traffic Police Division zufolge ereigneten sich die meisten Unfälle infolge von fahrlässigem Fahrverhalten – in den Jahren 2015-2016 waren es 3.038 Unfälle aufgrund von Fahrerverschulden. Ein weiterer Bericht zeigt, dass fahrlässiges Fahrverhalten 7.432 Verkehrsunfälle auslöste, gefolgt von 1.273 durch Geschwindigkeitsübertretung, 321 durch Trunkenheit am Steuer, 321 durch leichtsinniges Verhalten der Fahrgäste und 226 durch Überholmanöver. Ebenso geschahen 245 Unfälle durch Motorschaden, 53 durch Überladungen, 34 durch den schlechten Zustand der Straßen, 34 durch streunende Tiere und 14 durch ungünstige Wetterbedingungen.

In dem Bericht für den Zeitraum 2011 bis 2016 wurde fahrlässiges Fahrverhalten als Hauptursache für Verkehrsunfälle angeführt, gefolgt von Geschwindigkeitsüberschreitungen und der damit einhergehenden Trunkenheit am Steuer, während technische Fehler, Überholen von der falschen Seite, Fehlverhalten von Fußgängern, unangemessenes Fahrverhalten und andere Gründe als weitere Ursachen für Verkehrsunfälle angegeben wurden.

In den Berichten wird zudem festgestellt, dass an der überwiegenden Zahl der Unfälle Motorräder und Roller beteiligt sind. Von 2015 bis 2016 waren es insgesamt 2.249. Motorradfahrer riskieren immer wieder gefährliche Überholmanöver. Studien zeigen, dass die meisten Verkehrsunfälle in Städten passieren, wobei Fußgänger häufiger Opfer sind als Fahrzeuginsassen. Die Daten zeigen, dass 2015 bis 2016 39 Fußgänger bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen. Die Nichtbeachtung der Verkehrsregeln, Nichtbeachtung von Brücken, die für Fußgänger bestimmt sind, um Straßen sicher zu überqueren, das Überqueren von Straßen ohne die nötige Sorgfalt usw. sind die Gründe, warum Fußgänger in Straßenverkehrsunfälle involviert werden. In den Jahren 2015 bis 2016 starben landesweit 17 Frauen und 90 Männer bei Straßenverkehrsunfällen.

In Nepal gibt es verschiedene Ursachen und Gründe für diese große Zahl von Straßenverkehrsunfällen. Im nächsten Teil dieser Serie werde ich darauf näher eingehen.

Fortsetzung folgt …

Übersetzung Englisch-Deutsch: Anna Dichen

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