Was brauchen Schulen der Zukunft? – Ricardo Leppe

Gesellschaft

Im zweiten Teil des „Reiner Wein“-Gesprächs zwischen Gunther Sosna und dem Zauberer und Gedächtnistrainer Ricardo Leppe geht es um das Bauen von „Schulen der Zukunft“. Leppe unterstützt mit seinem Verein „Wissen schafft Freiheit“ das Errichten solcher Bildungseinrichtungen. Der erste Schritt ist in aktuellen Schulen umsetzbar: dabei werden Lerntechniken genutzt, die das Lernen schneller machen. Die restliche Zeit wird genutzt, um mit den Kindern Dinge zu machen, die ihnen Spaß machen. Der zweite Schritt erfordert mehr Freiheit, die im aktuellen System nicht möglich ist. In der fernen Zukunft steht dann „ein Dürfen“ und nicht „ein Müssen“ im Vordergrund.

Dort gibt es dann zum Beispiel Glücksunterricht, ein 7- und ein 70-Jähriger treffen zusammen: der Alte lernt vom Jungen, denn es geht nicht um Altersspezifität, sondern um Interessenorientierung. Es gibt auch keine Begrenzungen beim Lernen: es wird nicht nur das Gegebene reproduziert, sondern Raum für neue, bessere Ideen geschaffen. Das aktuelle Wissen ist die Basis – und dann geht es um die individuelle Umsetzung, den eigenen Weg. An diesen Lernorten gibt es „weise“ Menschen, die ihre Erfahrung als Basis weitergeben.

Im alten Schulsystem wird die Zeit verschwendet: das schulische Wissen geht schon innerhalb kürzester Zeit fast völlig verloren, was nicht effizient ist.

An Menschen, die Kinder beim Lernen begleiten wollen, hat Leppe drei Fragen:

Liebst du Kinder?

Kannst du Begeisterung weitergeben?

Hast du Lerntechniken drauf?

Wichtig ist Feedback in beide Richtungen; das Schulsystem erlaubt dieses nur in eine Richtung. Neun von zehn Lehrern sind aus seiner Sicht am falschen Ort; trotzdem bleiben diese Menschen in diesem Beruf. Das wird sich ändern: denn die kritische Masse für ein neues Bildungssystem ist längst vorhanden; es kann zwar noch weiter verzögert, nicht aber verhindert werden. Immer haben eine paar Wenige begonnen. Die Kinder selbst und die „Löwenmammis“ sind die Triebfedern dieser Entwicklung. Die aktuelle „Bedrohung“ derer, die anders denken, ist der Angst der Behörden geschuldet. Wenn die staatliche Schule das beste wäre, dann würde sie nicht so bekämpft, dann könnte man uns beim Scheitern zusehen, so Leppe.

Es geht nicht darum, ein passendes Schulprojekt zu suchen – es gibt sie, sie sind aber alle völlig überlaufen – sondern es selber in die Welt zu setzen. Sein Verein bietet Vernetzungsgruppen und regionale Treffen, um hier aktiv werden zu können.

Es geht um die ersten Schritte, nicht darum, morgen Utopia zu haben. „Die Schule fährt mit 400km/h in den Abgrund, wir bauen zuerst einmal ein Dreirad mit 5 km/h, nächstes Jahr ein Fahrrad, usw. Gebt’s euch Zeit, macht’s Fehler, dann kommt etwas Passendes heraus“, appelliert Leppe ans Publikum.

Abschließend wird noch über die Bewältigung von Traumata, Gesundheit und Geburt als wesentliche Faktoren eines guten Lebens gesprochen.

Credits

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RW – Ricardo Leppe-Teil2-YOUTUBE-IPHP Wolfgang Müller 1

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