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Wissen ist der Duft, während die Weisheit die Blüte ist.

Ich bin nicht die beste Schülerin in der Schule gewesen; Fakt ist, dass mich die Unterrichtsfächer, die wir hatten, einfach nicht interessierten – also war ich ihnen auch nicht verschrieben.

Nach meinem Abi fühlte ich mich freier, und ich lenkte meine Aufmerksamkeit auf jene Themen, die ich wirklich mochte; somit begann ich, Bücher zu verschlingen – und bald war ich von meiner Passion zur Literatur ergriffen. Ich erinnere mich noch daran, dass ich Intellektuellen immer mit einer besonderen Art von Respekt begegnete, zumal es mir gefiel, wie sie ihre Gedanken auszudrücken vermochten – das faszinierte mich. Ich sah in ihnen etwas, was ich nicht hatte. Man kann sagen, dass ich sie bewunderte und ich so sein wollte wie sie.

Mein besonderer Wunsch war es, mich gewählt ausdrücken zu können, weil ich immer sehr von Wörtern angetan war.

Und mein allererster Fehler war es, „Wissen“ als einen rein intellektuellen Prozess zu betrachten.

Natürlich benötigt das Wissen den Verstand, um Informationen zu verarbeiten, aber beim Wissen geht es nicht nur darum, Informationen zu erhalten, es geht vielmehr darum, ihnen eine Bedeutung zu verleihen und sie in Erfahrungswerte umzuwandeln.

Somit kann ich mich z.B. für das Thema „Gnade“ interessieren und intellektuell betrachtet das Konzept dahinter verstehen, muss aber deshalb trotzdem selbst kein gnädiger Mensch sein. Das ist der Unterschied zwischen Sein und Scheinen. Also habe ich grundsätzlich begriffen, dass die Lektüre ein hilfreicher Weg ist, um mich in eine Materie einzufühlen, aber der nächste Schritt muss es sein, die Dinge aktiv werden zu lassen.

Meine Wahrnehmung der Dinge veränderte sich; ein Konzept in wohl ausgedrückten Wörtern ist sicherlich sehr charmant – aber ich musste weiter gehen, tiefer graben. Meine Wahrnehmung entwickelte sich somit.

Mir wurde klar, dass sich Intellektuelle sehr gerne hinter Wörtern und komplizierten Phrasen verstecken, und sie denken, dass ihr Gedanke einen Wert hat, weil er gut verbalisiert wurde. Aber beim Wissen geht es nicht darum, eine gewisse Reihe von Wörtern formulieren zu können.

Die Erleuchtung im Leben ist der Schlüssel dazu, wahres Wissen zu erlangen – und aus diesem einfachen Grund bedarf es keiner komplizierten Philosophie, um das Leben zu verstehen. Sein Bewusstsein erlangt man, indem man alles, was rund um einen geschieht, beobachtet; die Augen einer Person vor dir oder die Einfachheit der Natur. Das muss nirgendwo niedergeschrieben sein, da geht es mehr um ein Gefühl; plötzlich weißt du mehr, und dieses Wissen entspringt nicht deinem Verstand. Das Leben gibt uns alle Hilfsmittel, die wir dafür brauchen – wir müssen nur lernen, wie die Dinge zu betrachten sind.

Man sagte mir einmal:

Wissen ist der essenzielle Aspekt des Lehrens, während die Weisheit die Wahrheit bedeutet, die sich in deinem Geist widerspiegelt, also handelt es sich hier um deine Entwicklung. Somit ist Wissen der Schlüssel, damit sich die Weisheit, die sich bereits in dir befindet, offenbart. Wissen gehört zum Irrealen, und Weisheit zum Realen. Das Wissen stirbt, während die Weisheit unsterblich ist. Das Wissen ist der Duft, während die Weisheit die Blüte ist. Das Wissen ist das Gemälde, während die Weisheit die Vision des Malenden bedeutet, die Seele des Künstlers. Zu lernen, wie du das Wissen, das sich in dir befindet, nutzen kannst, bedeutet, die Weisheit dahinter zu verstehen. Aber die Weisheit kann nicht dadurch erlangt werden, wenn dir dieser Gedanke gar nicht unterkommt, und er kommt erst, wenn du verstehst, dass Einheit das bedeutet, was du mit den anderen teilst. Das Teilen ist der Schlüssel zur Weisheit.

Am Anfang war es mein vordergründiges Ziel, Wissen zu erlangen, aber mit der Zeit realisierte ich, dass es da noch etwas Höheres gibt: Weisheit. Und der Prozess ist dieser: Zuerst gibt es da den Gedanken, der zu einer Aktion führt, die Aktion erzeugt Wissen, die sich in Weisheit umwandelt, falls ich in der Lage dazu bin, sie in mein inneres Selbst zu transportieren.

Verstehen, wissen, lernen – das ist meine Leidenschaft. Das ist es, was mich eine ganze Nacht lang wachhält, was meinen Hunger stillt, was mich alles rund um mich vergessen lässt. Es ist der Treibstoff meines Lebens. Und weißt du, wieso? Weil Wissen mir meine Augen öffnete und mir klar wurde, dass mein Leben um so vieles anders wäre, hätte ich vor fünfzehn Jahren das Wissen gehabt, über das ich jetzt verfüge. Ich möchte nun nicht behaupten, alle Antworten parat zu haben oder so gut zu sein, dass ich anderen Wissen beibringen könnte – aber so, wie mir gesagt wurde, teile ich.

Übersetzung Englisch-Deutsch: Anna Dichen

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Panoramio Panoramio Chi-Hung Lin CC BY-SA 3.0