The city with many faces: OLD DELHI

Wo Welten aufeinander prallen: Alt-Delhi

Ein weiterer aufregender Tag liegt vor mir, voller neuer Dinge, die es zu sehen gibt, und ich bin schon gespannt, was ich heute entdecken werde!

Am frühen Morgen gehen wir zum Connaught Place, ein ausgedehntes Shoppingviertel in Delhi, um dort zu frühstücken. Auf dem Weg dorthin, nur ein paar Minuten nach dem Verlassen des Hotels, kommen wir an einer großen Straße vorbei und sehen etliche Menschen, die draußen auf dem Boden schlafen, direkt neben der Straße. Sie wohnen dort. Einige machen kleine Feuer zum Kochen, andere liegen einfach nur da.

Ich sehe auch viele Kinder. Ihre Lebensbedingungen sind wirklich nicht gut. Offenbar haben diese Leute alle ein Zuhause in den Dörfern außerhalb der Stadt, aber da sie zum Arbeiten und Geldverdienen hierher kommen müssen, sind sie gezwungen, draußen zu schlafen. Für die Männer gibt es überall in der Stadt „offene“ Pissoirs; direkt vor meinem Hotel ist eines davon, dazu eine Art öffentliche Dusche, die jeder benutzen kann. Für die Frauen ist die Situation aber um einiges komplizierter.

Als wir den Connaught Place erreicht haben, ändert sich nicht viel. Obwohl es ein Shoppingviertel mit schicken Läden, Cafés und Restaurants ist, sieht man hier zahlreiche Bettler, von Kindern bis hin zu alten Männern. Einige betteln, andere schnüffeln Klebstoff aus Plastiksackerln, um ihren Hunger zu betäuben und einen Rausch zu bekommen. Wieder andere führen kleine Shows auf oder bieten alle Arten von Dienstleistungen an: Vom Schuheputzen über Ohrreinigung bis zur Taschenreparatur, einige haben sogar Waagen, mit denen man sein Gewicht überprüfen kann.

Überall schlafen Menschen auf dem schmutzigen Boden, und der Geruch von Urin ist allgegenwärtig. Es gibt auch viele Bettler mit Behinderungen, ohne Beine – wahrscheinlich leiden sie an Lepra. Weil sie sich keinen Rollstuhl leisten können, bewegen sie sich mit einer Art rollender Plattform fort. Alle zwei Minuten fragt jemand nach Geld oder bietet seine Dienstleistung an.

Es ist wirklich traurig, diesen Kontrast zu sehen: Einige gehen zum Vergnügen auf den Connaught Place, um einzukaufen oder in einem guten Restaurant etwas zu essen – versunken in ihrer eigenen Welt und ihren eigenen Träumen -, während andere Tag für Tag darum kämpfen, einfach nur zu überleben.

Wir nehmen uns ein Taxi, um vom Connaught Place nach Alt-Delhi zu fahren, ein vorwiegend muslimisches Viertel in Delhi. Wir besichtigen das Rote Fort, das für fast 200 Jahre, bis 1857, die Residenz und das politische Zentrum des Mogulreiches war. Das Mogulreich war ein Staat auf dem indischen Subkontinent, der von etwa 1555 bis 1857 von einer muslimischen Dynastie regiert wurde. Im Inneren des Roten Forts gibt es viele verschiedene Gebäude wie Paläste, Pavillons, Moscheen sowie Gärten mit einem Teich.

Es ist interessant, etwas über die Geschichte von Delhi und die verschiedenen muslimischen Dynastien zu erfahren, die die Stadt viele Jahre lang regierten.

Später gehen wir die belebten Straßen des Bazars von Alt-Delhi entlang, wo man buchstäblich alles findet, was das Herz begehrt: Silberschmuck, selbstgemachtes Parfum, Schuhe, Saris und Kurtas (die traditionellen indischen Gewänder), getrocknete Früchte ebenso wie elektronische Geräte, um nur einiges zu nennen.

Nach einer Weile sehe ich eine Gruppe von Menschen, die offenbar auf etwas warten. Als ich näher komme, sehe ich, dass sie kostenloses Essen anbieten. Offenbar geschieht das regelmäßig: Leute, die einfach Freude daran haben, bereiten eine größere Menge Essen zu und bringen es auf die Straße, um es dort zu verteilen. Jeder kann einen Teller oder auch zwei bekommen. Spannend!

Als wir weiter nach Alt-Delhi hineingehen, ändern sich die Umgebung und die Menschen drastisch; viele Frauen tragen Burkas, und ich fühle mich eher wie in Nordafrika als in Indien. Wir gehen zum Essen in ein sehr berühmtes Restaurant, das Karim’s. Es ist ein historisches Restaurant, das 1913 von Haji Karimuddin gegründet wurde und als „die berühmteste kulinarische Adresse der Stadt“ galt. Seine Idee war, Ruhm und Glück zu erreichen, indem er der normalen Bevölkerung königliches Essen servierte, und genau das tat er auch. Man sagt, er sei einer der Köche des Königs gewesen.

Ich muss sagen, das Essen ist extrem gut, vor allem die Kebabs – einfach fantastisch! Hier in Indien ist es üblich, sich nach dem Essen noch ein kleines Extra zu gönnen: Eine spezielle Erfrischung für den Mund, die Paan genannt wird. Das möchte ich natürlich auch probieren! Ein Paan besteht aus herzförmigen Betelblättern und Areca-Nüssen. Zahlen von null bis 320 geben die Intensität der Mischung an, und manchmal ist auch etwas Tabak darin. Ich wähle die niedrigste Zahl.

Zusätzlich ist das Paan mit verschiedenen aromatischen Kräutern und Gewürzen gefüllt; so gibt es zum Beispiel eine Art Marmelade aus Rosenblütenblättern, die man dazu auswählen kann. Das alles wird in eine glänzende silberne Folie gewickelt, die wie Aluminiumfolie aussieht, aber keine ist. Wirklich erfrischend und delikat!

Paan

Ein Blick auf Delhi von Sourabh Sharma

Von dort fahren wir mit einer Rikscha zu einer bedeutenden muslimischen Pilgerstätte, die Woche für Woche von Tausenden Gläubigen besucht wird: Nizamuddin Dargah. Es ist das Mausoleum eines der berühmtesten Sufi-Heiligen der Welt (das sind Heilige, die eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung des Islams in der Welt spielten). Sein Name war Hazrat Khwaja Syed Nizamuddin.

Beim Eintreten werden wir darum gebeten, unsere Schuhe auszuziehen und die Haare zu bedecken. Draußen gibt es Stände, an denen man Körbe mit Blumen kaufen kann, um sie dem Heiligen als Zeichen der Verehrung zu überbringen. Wir kaufen einen und nehmen ihn mit hinein. Da es Frauen bis heute nicht erlaubt ist, das eigentliche Mausoleum zu betreten, darf ich nicht hineingehen, und Sourabh muss die Blumen alleine überbringen.

Es sind viele Leute im Gebäude, das recht groß ist. Sie sitzen überall auf dem Boden, und ich bemerke, dass viele von ihnen sehr krank sind. Nur ein paar Meter von mir entfernt ist eine Familie mit einem Mädchen, das leichte Krampfanfälle hat. Neben uns bietet ein Arzt kostenlos seine Dienste an, aber sie erklären mir, dass sie nicht nach einem Arzt suchen.

Sie sind hierher gekommen, um „spirituelle“ Hilfe für ihre Tochter zu finden, weil sie daran glauben, dass dieser Ort eine ähnliche Heilungskraft hat wie etwa die Pilgerstätte von Lourdes für Christen. Wir gehen umher und warten auf das Konzert, das normalerweise jeden Freitag stattfindet, heute jedoch wegen des Regens ausfällt. Nächstes Mal!

Ein Blick ins Innere des Nizamuddin-Mausoleums von Sourabh Sharma

Als wir uns auf dem Rückweg der Straße nähern, in der sich mein Hotel befindet, sehen wir ein paar Kühe und Straßenhunde bei ihrer Mahlzeit: Sie fressen Müll! Gegenüber benutzen einige Menschen die Freiluftdusche und putzen sich dort die Zähne. Ich muss die Luft anhalten, weil der Gestank des öffentlichen Pissoirs und des Mülls, der sich im Lauf des Tages in der winzigen Straße angesammelt hat, unerträglich ist. Solche Dinge gibt es nur in Delhi …

Es gibt definitiv noch viel für mich zu entdecken in dieser Stadt; mir scheint, man kann hier monatelang auf Entdeckungstour gehen und hat immer noch nicht alles gesehen. Doch ich habe jetzt einige der wichtigsten Orte in Delhi erlebt und muss sagen, es ist eine aufregende Stadt, die viel zu bieten hat, auch wenn es negative Seiten gibt.

Man kann buchstäblich alles finden, was man sucht und wann immer man will. Diese Stadt ist rund um die Uhr voller Leben. Ihre reiche Kultur nimmt dich mit in die Vergangenheit, wo du ihre Entwicklung verfolgen kannst – beginnend mit den verschiedenen muslimischen Dynastien über das britische Indien bis zur Unabhängigkeit, die 1947 erreicht wurde. Es stimmt, dass viele Teile der Stadt stinken, schmutzig, überfüllt und laut sind, aber das ist Teil der lebhaften Kultur, und ohne diese Dinge wäre es nicht das echte „Indien-Erlebnis“.

Was ich an Delhi wirklich mag, ist die Vielfalt und die Tatsache, dass hier so viele Weltreligionen wie Hinduismus, Buddhismus, Islam, Jainismus und Christentum friedlich in einer Stadt zusammenleben. Darin – und auch im täglichen Angebot kostenlosen Essens in den Tempeln und den Straßen – ist Delhi ein Vorbild für die ganze Welt.

Wer mehr über Delhi erfahren und weitere Eindrücke bekommen möchte, klickt bitte hier für ein VIDEO. Danke!

Übersetzung Englisch-Deutsch: Martin Krake


Credits

Image Title Autor License
Das Innere des Roten Forts 4 Das Innere des Roten Forts 4 Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Das Innere des Roten Forts 3 Das Innere des Roten Forts 3 Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Das Innere des Roten Forts 2 Das Innere des Roten Forts 2 Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Das Innere des Roten Forts 1 Das Innere des Roten Forts 1 Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Das Rote Fort von außen 2 Das Rote Fort von außen 2 Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Das Rote Fort von außen 1 Das Rote Fort von außen 1 Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
The city with many faces: OLD DELHI The city with many faces: OLD DELHI Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Im Inneren des Nizamuddin-Mausoleums 2 Im Inneren des Nizamuddin-Mausoleums 2 Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Im Inneren des Nizamuddin-Mausoleums 1 Im Inneren des Nizamuddin-Mausoleums 1 Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Das Nizamuddin-Mausoleum Das Nizamuddin-Mausoleum Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Frauen ist das Betreten des eigentlichen Mausoleums nicht gestattet Frauen ist das Betreten des eigentlichen Mausoleums nicht gestattet Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Nizamuddin-Mausoleum, Darbringung der Blumen Nizamuddin-Mausoleum, Darbringung der Blumen Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Blumenverkäufer vor dem Mausoleum Blumenverkäufer vor dem Mausoleum Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Paan Paan Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Sikh-Tempel in Alt-Delhi Sikh-Tempel in Alt-Delhi Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Schuhbasar in Alt-Delhi Schuhbasar in Alt-Delhi Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Verkehrsregulierung im Basar von Alt-Delhi Verkehrsregulierung im Basar von Alt-Delhi Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Ein Blick auf Delhi von Sourabh Sharma Ein Blick auf Delhi von Sourabh Sharma Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Ein Blick ins Innere des Nizamuddin-Mausoleums von Sourabh Sharma Ein Blick ins Innere des Nizamuddin-Mausoleums von Sourabh Sharma Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0