Gebetsfahnen in Ladakh

Aspekte des Buddhismus für ein positives Miteinander in der Welt

Als ich motiviert damit begann, Meditation zu praktizieren, entdeckte ich zeitgleich die Lehren des Buddhismus für mich. In meinem vorigen Artikel „Die Macht der eigenen Gedanken“ schrieb ich bereits über die Bedeutung, die Meditation für mich bekommen hat, und wie mir das Praktizieren dabei hilft, meine oft wandernden und limitierenden Gedanken unter Kontrolle zu bringen.

Die Lehren des Buddhismus lassen sich ebenso wie Meditation in den Alltag integrieren. Buddhismus ist komplex, und viele der Lehren sind nur durch wahrhaftiges und ernsthaftes Praktizieren wirklich im Kern zu verstehen.

Aber genau dies macht diese Philosophie so wertvoll: Sie ist zwar vom Intellekt schnell zu begreifen, aber die Integration ins eigene Leben benötigt viel Zeit. Und man hat etwas ja auch erst dann wirklich richtig gelernt, wenn man es immer wieder praktisch übt, dabei auf Schwierigkeiten stößt und trotzdem weitermacht.

Ich werde im Folgenden einige ausgewählte Konzepte aus dem Buddhismus vorstellen, die ich persönlich als sehr hilfreich für mein eigenes Leben empfinde. Ein Bewusstsein über diese Dinge hilft mir dabei, das Leben von einer größeren Perspektive aus zu sehen, anstatt aus einer verengten und limitierenden Sicht. Und ich finde, dass eine offene Sicht auf viele Dinge dazu beiträgt, das Miteinander auf diesem Planeten zu einem besseren zu machen.

Ignoranz und der Ursprung des Leidens

Im Buddhismus wird häufig vom Leiden gesprochen. Leiden fängt schon im Kleinen an und bedeutet, dass wir zum Beispiel oft ignorant unserer wahren Natur gegenüber sind. Meist jagen wir unseren Gedanken, Illusionen und Selbstbildern hinterher und vergessen dabei, dass das meiste nur Geschichten sind, die in unseren Köpfen stattfinden.

Nach den buddhistischen Lehren ist jeder Mensch im Grunde seines Daseins pures Bewusstsein und nicht der physische Körper.

Diese wahre Natur nicht zu erkennen, wird im Buddhismus auch als Ignoranz bezeichnet. Diese Ignoranz dem wahren Wert unseres Lebens gegenüber führt zum Leiden, da wir Dinge im Äußeren anstreben und unser Glück von ihnen abhängig machen, anstatt den wahren Wert in uns selbst und im Miteinander mit anderen zu erkennen.

Das Konzept des Karma

Wir tragen alle unser individuelles Karma mit uns, das auch dafür verantwortlich ist, in welches Leben und in welche Umstände wir geboren werden. Karma basiert auf dem Konzept von Aktion und Reaktion: Alles, was wir tun und aussenden, mit guter oder schlechter Absicht, kommt in einer Form zu uns zurück – wie und wann, das ist für unseren Verstand unvorhersehbar, vielleicht sofort, vielleicht auch erst in einem unserer nächsten Leben. Alles ist miteinander verwoben und jedes Lebewesen trägt sein eigenes individuelles Karma mit sich. Das Karma prägt unsere Lebensumstände und all unsere Aktionen.

Was mir am Konzept des Karma gefällt ist, dass es mich auf meine eigenen Taten aufmerksam macht. Entscheidend ist die Absicht, die ich hege: Ist sie eigennützig oder hilft sie vielleicht auch jemand anderem? Außerdem weist es mich darauf hin, dass alles auf dieser Welt miteinander verwoben ist und alles, was geschieht, dem Kreislauf des Karmas unterliegt.

Mitgefühl praktizieren

Im Buddhismus geht es auch ganz besonders um das Konzept des Mitgefühls. Dies bezieht sich darauf, dass man nicht eigennützig und selbstbezogen durch das Leben laufen, sondern bei all seinen Handlungen auch auf das Wohl seiner Mitmenschen achten sollte. Denn im Grunde unseres Seins sind wir alle gleich. Wir alle haben ein uns innewohnendes Bewusstsein, einen menschlichen Körper und einen Geist, der fühlt und denkt. Wir alle möchten glücklich sein.

Von außen betrachtet mögen wir komplett unterschiedlich und mit verschiedenen Umständen im Leben konfrontiert sein, aber der innere Kern bleibt immer derselbe. Und wenn man sich dies bewusst macht, dann fällt auch das Konzept des Mitgefühls viel leichter.

Ich stelle mir oft vor, wie es wäre, in der Haut eines anderen zu stecken und was seine oder ihre Absichten hinter einer Tat oder einem Verhalten sein könnten. Das ist nicht immer leicht, besonders wenn mir der Mitmensch nicht sympathisch ist. Aber ist es nicht eine unglaublich tolle Lernaufgabe, dennoch am eigenen Mitgefühl und Verständnis zu arbeiten, auch wenn ich mich vom Gegenüber angegriffen oder eingeschränkt fühle? Außerdem hilft es mir zu erkennen, wann ich von meinem Ego gelenkt bin, weil ich mich zum Beispiel von der Außenwelt persönlich angegriffen fühle.

Ego und Nicht-Anhaftung

Ganz zentral ist der Gedanke, sich von der Identifikation mit dem Ego zu lösen. Ego bedeutet, dass man als Mensch seinem Verlangen, seinen Wünschen und eigenen Gelüsten folgt und gleichzeitig das eigene Glück von ihrer Erfüllung abhängig macht. Wenn ich ein Ziel verfolge, um am Ende besser dazustehen, und dabei das Wohl anderer Menschen vergesse, dann bin ich ganz offensichtlich von meinem eigenen Ego geleitet, das viel Wert auf seinen guten Ruf und persönliche Leistung legt.

Um dem Ego im eigenen Leben nicht mehr so viel Macht zu geben, ist es sehr wichtig, an den eigenen Abhängigkeiten zu arbeiten. Diese findet man durch genaues Hinschauen: Von welchen Dingen, Menschen und Situationen mache ich mein Glück abhängig? Und wenn ich all das nicht bekomme, bin ich dann frustriert und unglücklich?

Ein wirklich ehrliches und freies Leben lässt sich erst dann führen, wenn dem Ego nicht mehr so viel Entscheidungskraft zugestanden wird. Ich denke, dies ist eine der schwierigsten Aufgaben auf dem Weg. Wir sind durch unsere leistungsorientierte Gesellschaft schon seit unserer Kindheit auf das Erreichen von sozialem Status sowie auf ein konkurrenzorientiertes Verhalten geprägt.

So wird dem Ego ein ganz normaler Stellenwert gegeben. Es wird als ganz normal angesehen, mit großem Ego durch die Welt zu laufen, ja sogar als überlebensnotwendig in gesellschaftlichen Normen.

Ich finde, dass es eine Lebensaufgabe ist, Buddhismus wahrhaftig zu praktizieren. Und dass es mich gerade deshalb reizt, kommt wahrscheinlich daher, dass ich Konzepten, die schnelle Veränderung und Transformation versprechen, nicht über den Weg traue. Denn alles, was ehrlich und fundiert ist, braucht Zeit, um zu gedeihen und zu wachsen. Und wohl oder übel müssen dabei auch Hürden und Hindernisse auf dem Lernweg auftauchen, damit man seine eigenen Absichten immer wieder testen und neu abwägen kann.

Buddhafiguren in Laos

Credits

Image Title Autor License
Gebetsfahnen in Ladakh Gebetsfahnen in Ladakh Lisa Dau CC BY-SA 4.0
Buddhafiguren in Laos Buddhafiguren in Laos Lisa Dau CC BY-SA 4.0

Diskussion (Ein Kommentar)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Das ist eine gute Religion. Ich bewundere die Menschen die das Praktizieren.
    Ich Beschäftigunge mich schon lange damit,daß hat mir meine Oma schon beigebracht,
    Schau nach unten ,anderen Menschen geht es noch schlechter!