Der Weisheit letzter Schluss – Wie viel ist ein Menschenleben wert?

Gesellschaft

Ein kommentierender Rückblick auf eine Woche Weltgeschehen – KW 28/22

  • Wie viel ist ein Menschenleben wert?
  • Alkohol und Psychopharmaka gegen die Krise(n)
  • Der hohe Preis des NATO-Beitritts von Finnland und Schweden
  • Ethik & Poesie sowie die Naturschule Uri

Die Frage, wie viel ein Menschenleben wert ist, hat sich mir dieser Tage mit erhöhter Deutlichkeit gezeigt. Von prominenter Seite wird ja – vor allem seit Ausbruch der Corona-Krise – unaufhörlich betont, dass jedes Leben zähle. Aber gilt das auch für den ganz banalen Alltag abseits der zur Pandemie erklärten Virusinfektion?

Ich hege da so meine Zweifel.

Als Beweismittel möchte ich die Höhe der Familienbeihilfe, dernach ein junger Mensch zwischen € 114,- und € 165,10 im Monat wert ist, die Höhe der Mindestsicherung, die für einen alleine lebenden erwachsenen Menschen maximal € 978,- monatlich beträgt, die Zusage Finnlands und Schwedens im Rahmen eines Memorandums mit der Türkei (damit der anvisierte NATO-Beitritt zeitnah klappt), der gemäß man bereit ist, Kurden auszuliefern und an Aktivitäten in den beiden Ländern zu hindern, sowie den Vorschlag, dass man Menschen im Winter aufgrund der herannahenden Energiekrise in öffentlichen Wärmehallen unterbringen möchte, nennen.

Dreh- und Angelpunkt all dieser Ungereimtheiten – aus meiner Sicht eher Unverschämtheiten – ist der in Österreich für Soziales und Gesundheit zuständige Minister, der hilflos Anti-Teuerungspakete ankündigt und die alltägliche Not, die immer größer wird, in einem immer größer werdenden Maß einfach ignoriert und stattdessen lieber einmal mehr an der C-Schraube dreht. Das kürzlich überarbeitete Epidemiegesetz gibt ihm dazu alle Möglichkeiten, einschließlich der Einführung einer „Impfpflicht“ durch die Hintertüre mittels 2G-Regeln, von der angeblichen Notwendigkeit von Masken und weiteren (Gratis-)Tests ganz zu schweigen. Auch der unsägliche Sager des Bundeskanzlers dieses Landes beim ÖVP-Parteitag in Tirol, wonach man zur Bewältigung dieser Krise Psychopharmaka oder Alkohol einsetzen solle, hat wohl doch mehr Wahrheitsgehalt als seine politisch korrekten Kommentatoren („Nur ein launiger Sager auf einem Landesparteitag“) interpretierten. Tatsächlich fühlen sich die Menschen durch diese Problemtrance, in die sie auch von den Medien geführt werden, einmal mehr wie gelähmt, was der Entwicklung von Lösungsstrategien diametral entgegen steht. Lösungen aber werden, wie wir einmal mehr erfahren dürfen nicht von oben und schon gar nicht von diesen Politikern kommen. Auch in den Medien werden wir davon nichts erfahren. Auch hier gilt also Eigeninitiative und das Engagement jedes Einzelnen und jeder Einzelnen für das Gemeinsame, das Menschen in Krisenzeiten oder bei Naturkatastrophen immer schon ausgezeichnet hat.

Als weiteres Ablenkungsmanöver in Sachen „Alltags-Krise(n)“ sehe ich den Ukraine-Russland-Konflikt. In seine großen Schuhe, vor allem in jene Russlands, kann man getrost all das schieben, was sonst den verantwortlichen Politikern auf den Kopf gefallen wäre. Da wundert es auch kaum, dass der deutsche Bundestag dieser Tage als erste NATO-Nation den Beitritt der beiden nordischen Staaten zum Militärbündnis ratifiziert, und das nur wenige Tage nach dem offiziellen Beschluss am NATO-Gipfel in Madrid, das Aufnahmeverfahren einzuleiten. Dieses Vorgehen wirkt einerseits wie vorauseilender Gehorsam, andererseits deutet es auf ein gewisse Abhängigkeit gegenüber den USA hin, wie Kritiker meinen. Tatsächlich haben der türkische Präsident und sein Außenminister zuletzt damit aufhorchen lassen, dass sie noch immer auf Antworten, sprich Taten, der beiden Beitrittswerber Finnland und Schweden warten, die in einem trilateralen Memorandum vor dem Gipfeltreffen vereinbart worden waren. In dieser mir vorliegenden Vereinbarung geht es vor allem um die Position der Kurden, speziell der PKK, die von türkischer Seite als Terroristen klassifiziert werden. Um deren Treiben ein Ende zu bereiten, verpflichten sich Schweden und Finnland u.a. dazu Asylverfahren von Kurden abschlägig zu bewerten und diese umgehend in die Türkei auszuweisen, Aktivitäten von Kurden auf den Staatsgebieten (wie Gründung von Vereinen oder Abhaltung von Demonstrationen) zu untersagen sowie das Waffenembargo gegen die Türkei wegen deren Angriffen auf kurdische Territorien in Nordsyrien aufzuheben. Für den Fall der Nichterfüllung dieser Vereinbarungen, die diplomatisch so formuliert sind, dass sie unterschiedlich aufgefasst werden könnten, drohte die türkische Seite mit einer Ablehnung der Ratifizierung der Beitrittsbewerbungen. Der finnische Staatspräsident sah sich daher und auch auf Grund von wachsender innerfinnischer Kritik am Memorandum veranlasst, diesen Prozess der Ratifizierung durch die nationalen Parlamente der Mitgliedsstaaten als den erst übernächsten Schritt zu bezeichnen. Es brauche noch Zeit, um die eine oder andere vertrauensbildende Maßnahme zu setzen. Umso verwunderlicher daher, dass Deutschland und mittlerweile 14 weitere, insgesamt also 15 der 30 NATO-Mitglieder, hier schon vorgeprescht sind.

Aber es soll auch Positives berichtet werden:

Den Schweizer diplomierten Forstingenieur Urs Thali, der den Großteil seines 40-jähriges Berufsleben als Selbständiger dem Naturgefahrenmanagement und damit der äußeren Sicherheit der Menschen gewidmet hat, hat die „Corona-Panik“ dazu veranlasst, sich der notwendigen und heilsamen inneren Sicherheit des Menschen zu widmen. In diesem Zusammenhang gründete er die Website „Ethik-Stern“. Der achtstrahlige Ethikstern, so schreibt er dort, stehe als Symbol und Zeichen unserer weisen geistigen Verbundenheit und Impuls bei der Aufarbeitung der Corona-Krise. Jeder Strahl stehe für einen wesentlichen Grundsatz, angeführt vom ersten Strahl unter dem Motto „Selbstbestimmung über den eigenen Körper und Selbstverantwortung für sein eigenes Tun“.

Thali ist auch aktives Mitglied beim Schweizer Gesundheitsnetzwerk Alitheia. Beim 3. Corona-Kongress in St. Gallen hat er sich Gedanken zum Thema Ethik und Poesie gemacht. Für ihn bringt die Angst uns weg von der Seelennahrung wie etwa der Kunst, dem Gesang, der Harmonie, der Liebe oder der Poesie. Ließe man sich aber auf die Poesie ein, bringe diese uns umgekehrt weg von der Angst. „Poesie gibt dem Wort, dem Satz den Klang. Sie beseelt, verbindet uns mit den Tiefen des Kosmos, dem Hintergründigen und mit unserer Seele, dem großen Wissen“, so Thali. Die Tibeter verbänden sich über das OM mit dem Ganzen, dem Kosmos, dem Universum. Und Thali weiter: „Ich rede vom Urklang, der durch das Universum hindurch schwingt. Poetisch spirituell gesprochen entstand daraus das Universum.“ Seine tiefgehenden Ausführungen schließt er mit einem Appell für einen Paradigmenwechsel wie folgt: „Dazu gehört auch eine Abkehr des gewaltsamen Umgangs mit der Erde. Änderung des Narrativs: Macht euch die Erde untertan heißt korrekt: Macht euch der Erde Untertan; was heißt, dass wir Teil der Erde sind und nicht deren Herrscher, sondern demütige Teilhaber.“

Auf dieser Basis initiierte Thali das Projekt „Naturschule Uri“, die freie, verantwortungsvolle und selbstbewusste Menschen schätzt und fördert. Die Grundsätze des Projekts können als Inspiration für ein Bildungssystem der und mit Zukunft dienen. Orientiert an Mohandas K. Gandhis Aussage, wonach sich der wahre Reifegrad einer Gesellschaft daran zeigt, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht, sollen aus der Naturschule selbstbewusste Querdenker, Macher und Visionäre hervorgehen, die die Erde für den Übergang in ein neues Zeitalter der Menschlichkeit dringend braucht.

Und damit die Weisheit am Schluss auch zu ihren (letzten) Schlüssen kommt, ein Appell an alle Leserinnen und Leser:

Befreien wir uns also schleunigst von den Horror-Narrativen und vermeintlichen Alternativlosigkeiten, nehmen wir unser Herz in die Hand – wie etwa Urs Thali – und zeigen wir den aktuell noch Verantwortlichen wie wertvoll wir für das wirkliche Gelingen einer Gemeinschaft im Kleinen wie im Großen sind und welche Schritte es braucht, um eine Gesellschaft zu einer wirklichen Gemeinschaft zu machen. Jede und jeder möge das an dem Platz und auf diese Weise tun, der bzw. die für sie oder ihn angemessen erscheint. Denn jedes Menschenleben, ja das Leben überhaupt, ist sogar mit Gold nicht aufzuwiegen.

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WG – 202207-01-YOUTUBE Wolfgang Müller 1

Diskussion (Ein Kommentar)

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  1. Wieder einmal ein lesenswerter Artikel. Ein Beitrag der zeigt wie Politiker mit Menschen umgehen.Es liegt nur an uns etwas zu ändern.