Droht die Rückkehr von Inflation?

Wirtschaft

In dieser VGW-Gesprächsrunde vom 16.12.2021, die von Prof. (FH) Dr. Elisabeth Springler moderiert wurde, gibt Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny nach einer kurzen Einführung von Mag. Johann Moser einen Überblick über aktuelle wirtschaftliche Situation Österreichs im Vergleich zu Europa und den USA und deren Auswirkungen auf zukünftige Entwicklungen.

Der WU-Hochschullehrer für Geld- und Finanzpolitik und ehemalige Gouverneur der Österreichischen Nationalbank (ÖNB) stellt seine Sicht auf die derzeitige (im Dezember 21, Anm. der Redaktion) etwas höhere Inflationsrate dar und analysiert deren Ursachen.

In der Vergangenheit war die Europäische Zentralbank (EZB) gefordert, die etwas zu niedrige Inflation durch unkonventionelle Geldpolitik auszugleichen. Dazu zählen u.a ein Einlagezins von 0% oder sogar Im Minusbereich. Zudem wurde das Anleihenkaufprogramm aufgestockt. Die amerikanische FED wiederum hat aktuell diese Maßnahmen durch eine Erhöhung des Leitzinses wieder beendet, was sich auch auf Europa auswirken könnte.

Die Realwirtschaft entwickle sich gut, meint Nowotny, die Zunahme der Inflation von 1,4 % (2020) über 2,8% (2021) zu prognostizierten 3,3% für Österreich für 2022 sei ein vorübergehendes Phänomen.

Geschuldet ist dies Situation mehreren Faktoren:

Zum einen müsse man einen Basiseffekt berücksichtigen, der unter anderem durch die Erhöhung der Energiepreise oder die pandemiebedingte Senkung der Mehrwertsteuer verursacht wurde.

Zum anderen sei auch die Nachfrage stark angesprungen: die Konsumquote sei angestiegen, die Sparquote gesunken. Ein von ihm als „Nachfrage-Schock“ bezeichnetes Phänomen bedeute, dass es im Sachgüterbereich Angebotsengpässe gäbe, die nun zu vorübergehenden Preiserhöhungen geführt haben.

Auch fiskalpolitische Effekte seien zu berücksichtigen, dazu zählen die wirtschaftspolitischen Reaktionen auf die Pandemie und langfristige Infrastrukturmaßnahmen. Wenn die Wirtschaft an ihren Kapazitätsgrenzen arbeite, sei das inflationssteigernd.

Eine aktive Geldpolitik seitens der Notenbanken sei gefragt, um eine Stagflation wie beim „Öl-Schock“ in den 70er-Jahren zu verhindern. Eine weitere Erhöhung der Geldmenge hätte jedenfalls inflationären Charakter.

Zuletzt nennt Nowotny noch Beispiele aus einer Vielzahl von kurz- und längerfristigen strukturellen Effekten, die für die Erhöhung der Inflation maßgeblich sind: in bestimmten Bereichen ergäben sich Knappheiten aus ökonomischen und politischen Gründen (wie etwa bei Nordstream 2); auch die Globalisierung und ihre Billigimporte haben in den letzten Jahrzehnten die Inflation gedrückt. Im Vergleich stellt sich das so dar: Im OECD-Schnitt lag die Inflationsrate in den 70er- und 80er-Jahren bei 10 %, in den 90ern nur mehr bei etwa 5%, um in den 2000ern auf 3% und in den 2010er-Jahren sogar auf 2 % zu sinken. Der Klimapolitik komme auch eine wichtige Rolle zu: die CO2-Steuer bezeichnet der Wirtschaftsexperte als „Ölschock auf Raten“, der zwar durch soziale Transfers ausgeglichen werde könne, aber jedenfalls einen Preiseffekt habe. Zudem seien durch eine Verringerung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zumindest qualifizierte Arbeitskräfte rar, was zu einer Steigerung der Löhne führe.

Als nötige Reaktion sieht Nowotny die Notwendigkeit eines Zurückfahrens der in der Pandemiebekämpfung gesetzten monetären Impulse: wo keine Krise mehr, da sind auch keine Krisenmaßnahmen notwendig.

Für ihn sei die prognostizierte Inflation in Höhe von 2,5 oder sogar 3 % ökonomisch kein Problem, es könnte aber im politischen Sinn problematisch sein, da sich die Notenbanken auf ein Ziel von 2% festgelegt haben, das damit überschritten würde.

Nach diesem Überblick über den theoretischen Rahmen und die wirtschaftspolitischen Notwendigkeit beantwortet der ehemalige ÖNB-Gouverneur noch Fragen der Teilnehmer*innen.

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Droht die Rückkehr von Inflation Wolfgang Müller 1

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