Eine zarter Versuch

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Vor einigen Monaten wurde mein Artikel mit dem Titel „Auch ich habe einen Traum“ veröffentlicht.

Ich weiß nicht, wie viele ihn gelesen haben, ihm ein Like gaben – oder einfach fanden, dass er Zeitverschwendung ist. Viele mögen auch gedacht haben, dass es eben nur ein Artikel über einen Traum ist. Ich las den Kommentar eines Lesers, der meinte, dieser Traum sei zwar eindrucksvoll, aber unmöglich zu realisieren. Ich stimme ihm zu 99% zu, aber nicht vollständig. Unabhängig davon, ob all meine Träume wahr werden oder nicht, habe ich diesen einen Traum, der niemals unmöglich sein kann: mein Traum, den Armen und Benachteiligten zu helfen.

Denn es heißt, es gebe nichts auf dieser Welt, was unmöglich sei. In diesem Artikel möchte ich kurz berichten von meinen bescheidenen Bemühungen, meine Leidenschaft zu leben, und von meinem Interesse an dieser Arbeit. Genau genommen ist es ein Bericht über meinen ersten offiziellen, wenn auch winzigen Beitrag, armen und hilflosen Menschen in benachteiligten Gemeinschaften soziale Hilfe zukommen zu lassen.

Als ich eines Tages meinen Facebook-Account öffnete, fand ich drei Nachrichten in der Mailbox meiner offiziellen Facebook-Seite “Maternal and Child Health Promotion Project” vor. Eine dieser Nachrichten war von Kiran Nagra, einer Mitarbeiterin des Project Rishi (einer Organisation aus den USA), die zweite von Sunil Pun, dem Programmleiter für Asien der Al-Khair Foundation (einer muslimischen Organisation aus Großbritannien), und die dritte schließlich von meinem Chef, Aashis Kunwar von unserem Hauptquartier in Kathmandu.

Project Rishi wollte mehr über unsere Arbeit im Mutter-Kind-Gesundheitssektor in Rukum erfahren, weil sie mit dem Projekt in einem ländlichen Dorf (Bharog Baneri) im nordindischen Bundesstaat Himachal Pradesh beginnen wollten. Weiterhin wollten sie wissen, wie man am besten ein Gesundheitsprogramm für Mütter in abgelegenen Gegenden auf die Beine stellt. Die Al-Khair-Foundation hingegen wollte mit uns im Mutter-Kind-Gesundheitssektor in Rukum kooperieren. Und mein Chef schließlich teilte mir mit, dass eine Organisation namens „Soap for Hope“ aus Kanada uns mit der Versendung von Hygienesets speziell für menstruierende Mädchen und Frauen unterstützen wolle.

Ich beantwortete jede dieser Nachrichten sorgfältig. Ich beschrieb dem Project Rishi im Facebook-Messenger unsere Erfahrungen auf dem Gebiet der Mutter-Kind-Gesundheit in Rukum und bat sie, mich über meine offizielle Email-Adresse zu kontaktieren, wenn sie weitere Informationen wünschten.

Bezüglich der Kooperationsanfrage der Al-Khair Foundation informierte ich meinen Chef in Kathmandu, weil eine solche Entscheidung nur von ihm getroffen werden kann, denn er ist die alleinig verantwortliche Person für solche Angelegenheiten. Später fand ich heraus, dass die Al-Khair Foundation mich auch per Email kontaktiert hatte. Auf die Nachricht meines Chefs antwortete ich, dass sie uns die Hygienesets so bald als möglich nach Rukum senden sollten.

Nach drei Tagen schließlich, am 20. Juni 2017, trafen die Hygienesets im Chaurjahri Hospital in Rukum ein. Ich rief sofort meinen Chef an, um ihn wissen zu lassen, dass sie sicher angekommen seien, und er bat mich, die Sets dort zu verteilen, wo sie am dringendsten benötigt würden. Es waren insgesamt fünfzehn Päckchen, von denen jedes eine Monatsbinde, ein Handtuch, eine Zahnbürste, Zahnpasta, einen Kamm, eine Nagelschere sowie etwas Seife enthielt.

Ein winziger Versuch - Teespender

Nun musste ich darüber nachdenken, wo ich sie verteilen könnte. Nachdem ich mir ein paar Minuten lang das Hirn zergrübelt hatte, beschloss ich, dass es am besten sei, wenn die Sets an eine Gemeinde im Jajarkot-Distrikt geschickt würden, denn dieser wird von der nepalesischen Regierung als eine der abgelegensten Regionen des Landes bezeichnet. Es ist eine Gegend, in der die Menschen unter sehr schlechten hygienischen und gesundheitlichen Bedingungen leben müssen, und die Region mit den meisten Fällen von Infektionskrankheiten in Nepal. Ich dachte, dass die Hygienesets für einige Menschen in dieser Gemeinschaft von großem Nutzen sein würden.

Als ich mir Gedanken darüber machte, welche Gemeinde diese Sets erhalten sollte, kam mir die Idee, sie an die Gemeinde zu schicken, in der ich geboren worden war. Denn Mutter und Vaterland kommen immer noch an erster Stelle.

Schließlich traf ich meine Wahl: Der Bezirk Sakla (mein Geburtsort) der Gemeinde Barekot sollte die Sets erhalten. Während ich über einen Plan nachdachte, wie das umzusetzen sei, wurde mir klar, dass die Leute mehr brauchten als den Inhalt dieser Päckchen. Ich entschied mich daher, noch etwas dazuzulegen, wovon ich wusste, dass die Leute es brauchen würden – nämlich Wasserfilter. Ich kaufte einige dieser Filter, denn durch die Monsunzeit, die gerade in Nepal stattfand, waren die Wasserquellen hochgradig verschmutzt. Ich dachte, wenn ich Wasserfilter schicken würde, könnten die Leute damit ihr Trinkwasser reinigen, was die Verbreitung verschiedener Infektionskrankheiten verhindern würde. Insgesamt besorgte ich fünf Filter, weil ich nicht allzu viel Geld hatte; jeder Filter kostet 3500 Nepalesische Rupien, rund 30 Euro.

Ein winziger Versuch - Dorf
Die Waren waren für den Versand bereit, auch das Ziel stand fest. Das einzige Problem war, wie wir die Waren zu den Verteilungsstellen transportieren sollten, die ziemlich weit vom Chaurjahari Valley entfernt lagen. Ich wusste, dass es zwei Tage dauern würde, den Verteilungspunkt zu erreichen, einen halben Tag mit einem Fahrzeug und noch einmal eineinhalb Tage zu Fuß. Da gerade Monsunsaison war, wäre es auch mit einem hohen Risiko verbunden, weil man durch Überflutungen, Hochwasser und Erdrutsche blockiert werden kann. Daher hatten wir den schwierigsten Teil noch vor uns.

Bleibt dran: Der nächste Teil „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ folgt bald!

Übersetzung Englisch-Deutsch: Martin Krake

Credits

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Ein winziger Versuch - Teespender Ein winziger Versuch – Teespender Bravo Aatma CC BY-SA 4.0
Ein winziger Versuch - Dorf Ein winziger Versuch – Dorf Bravo Aatma CC BY-SA 4.0
Titelbild-A-tiny-attempt Titelbild-A-tiny-attempt Bravo Aatma CC BY-SA 4.0