Gemeinwohl-Ökonomie – ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft (Christian Felber)

Wirtschaft

In seinem Vortrag „Gemeinwohl-Ökonomie – ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft“ schildert Christian Felber das von ihm initiierte Wirtschaftsmodell, das auf Kooperation und nicht auf Konkurrenz basiert. „Wir sind dazu aufgerufen für uns selbst und für andere zu sorgen“, betont er und plädiert für ein Wirtschaftssystem, das wie eine Beziehung funktioniert.

Anfangs nimmt er Bezug auf eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung, wonach sich 80-90 % der Bevölkerung Deutschlands und Österreichs eine andere Wirtschaftsordnung wünschen; eine Ordnung, die politisch anders reguliert ist und in eine andere Richtung gesteuert wird. Interessant ist für Felber dabei, dass die so genannten makroökonomischen Kennzahlen wie BIP, Pro-Kopf-Einkommen und Handelsbilanzüberschuss in einem stetigen Wachstum befinden und die Menschen sich dennoch eine andere Wirtschaftsform wünschen. Denn aktuell gebe es im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten keine verbesserte wirtschaftliche Perspektive für gegenwärtige und zukünftige Generationen mehr.

Auch der Umgang mit Covid19 – und nicht die Pandemie selbst – fordere weitere Opfer. Christian Felber spricht davon, dass im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren erstmals wieder 150 Millionen Menschen zusätzlich in extreme Armut abgerutscht und 120 Millionen zusätzlich von Hunger bedroht sind sowie 7 Millionen Menschen heute akut vor dem Verhungern stehen. Durch die Maßnahmen seien die globalen Nachhaltigkeitsziele der UNO zum Teil obsolet geworden.

Mit jedem Euro Steuergeld finde eine „ethische Triage“ statt, es werde in Freihandel, fossile Energie und Waffen anstatt z.B. in Zoonosen-Prävention oder in die Bewältigung der vielfältigen ökologische Krisen investiert.

Für ihn ist der Verlust der Artenvielfalt die noch weit größere Gefahr, da deren Folgen nicht absehbar seien. Wir könnten unsere Ernährungsgrundlage verlieren, ebenso die Stabilität lebenserhaltender Ökosysteme, es könnten neue zoonotische Krankheiten entstehen.

Daher brauche es eine neuen Blick auf die Wirtschaft, die von ihm initiierte Gemeinwohlökonomie sei eine unter vielen Möglichkeiten „den TINAs (there is no alternative) durch TAPAS (there are plenties of alternatives) den Kampf anzusagen. Der Gemeinwohlgedanke im Wirtschaftsbereich sei keine neue Idee, er sei in allen demokratischen Verfassungen vorhanden, betont Felber; und weiter: „Die Wirtschaftswissenschaften haben ihn versteckt, wir haben ihn wieder entdeckt.“

Basis der Überlegungen sind die Ausführungen von Aristoteles, der eine „oikonomia“, die das Ziel hatte, allen im Haushalt Lebenden ein gutes Leben zu ermöglichen, wobei Geld und Kapital Mittel und nicht Zweck sind, einer chrematistiké, in der die Kunst des Gelderwerbens und des Sich-Bereicherns im Mittelpunkt stehen, gegenüber stellt. Vor Letzterem warnte er sogar ausdrücklich, so Felber.

Dann stellt er die wirtschaftliche Erfolgsmessung heute, bei der die Anhäufung der Mittel und nicht die verfassungsgemäße Zielerreichung, nämlich das Gemeinwohl, im Mittelpunkt stehen, einer gemeinwohlorientierten Wirtschaftsform gegenüber. Bei ersterer zählen BIP, Finanzgewinn und Finanzrendite, bei letzterer Gemeinwohlprodukt, Gemeinwohlbilanz und Gemeinwohlprüfung jeder Investition. In der dafür entwickelten Gemeinwohlmatrix 5.0 gäbe es 20 definierte Ziele und 40 Aspekte in 4 Stufen als Maßstab, sie entspreche den häufigsten Verfassungswerten in demokratischen Staaten.

Ziel sei es, den Kapitalismus zu überwinden, ohne in den Sozialismus abzugleiten, ethische Produkte, die heute teurer sind, müssen á la longue billiger und damit erstrebenswerter werden. Heute aber sei es genau umgekehrt. Aktuell beteiligen sich, so Felber, schon 800

Unternehmen, Gemeinden und Universitäten an seinem Projekt.

Abschließend stellt er noch die souveräne Demokratie, die er als die Zwillingsschwester der Gemeinwohlökonomie bezeichnet, vor, die von 10 kollektiven Grundrechten des Souveräns, also der gesamten Bevölkerung, ausgeht.

Credits

Image Title Autor License
Gemeinwohl-Okonomie-–-ein-Wirtschaftsmodell-mit-Zukunft-Christian-Felber
Christian Felber – Vortrag Wolfgang Müller 1

Diskussion (Ein Kommentar)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Danke dass es noch’Menschen“ gibt, ein geniales Konzept, ein toller Vortrag. Besonders wichtig in Zeiten wie diesen. Würde auch gerne mitmachen.