Kaputte Medienlandschaft?

Wie unabhängig und pluralistisch sind unsere Medien? Gibt es noch kritischen Journalismus? Diese und weitere Frage stellt der BSA Rudolfsheim-Fünfhaus, dessen Vorsitzender Bernhard Bergler die Moderation übernimmt, den Teilnehmern dieser Online-Veranstaltung.

Die frühere Chefredakteurin der Kleinen Zeitung Kärnten, Antonia Gössinger, gibt Entwarnung: keiner Partei wird es gelingen, die Medienlandschaft zu zerstören. Die Medienhäuser selbst können entscheiden, ob sie ihre Unabhängigkeit preisgeben. Der Pluralismus ist wenn dann aus wirtschaftlichen Gründen gefährdet; denn die Tageszeitungen werden sich auf lange Sicht gegen Internetgiganten wie Facebook nur schwer erwehren können: das Konsumverhalten geht eindeutig Richtung Internet. Und dort geht seriöser Journalismus zumeist im Getöse der „Meinungsvielfalt“ unter. Aufgabe der Politik wäre ein Medienförderungsgesetz, das sich an Qualitätskriterien orientiert; damit wäre Medienvielfalt garantiert.

Der Job der Medien und ihres Leitungspersonals ist es, die eigene Unabhängigkeit zu erhalten, meint Dr. Walter Hämmerle, Chefredakteur der Wiener Zeitung. Die einseitige Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln ist ein großes Problem; allerdings ist Qualitätsjournalismus in einem kleinen Markt wie Österreich kaum zu finanzieren – wenn dann nur auf lokaler Ebene: dann ist allerdings – Stichwort Pluralität – auch nur für ein Medium Platz. Die innere Dynamik der Digitalisierung führt tendenziell zur Homogenisierung der Meinungen und Medien, da die Leser-Blatt-Bindung am effektivsten über Clickbaiting und Fanseiten funktioniert und Menschen eher für Inhalte bezahlen, die ihrer eigenen Meinung entsprechen – was mit Informationsblasen und homogenen Medien am besten zu erreichen ist. Die Arbeit einer Redaktion, die Informationen für ihre Leser möglichst objektiv und realitätsnahe filtert und aufbereitet, um eine gewisse Orientierungshilfe im Alltag zu bieten, fällt im Internet weg. Das Revival parteinaher Medien hängt ebenfalls stark mit der Digitalisierung zusammen: sie bietet einen direkten Kommunikationsweg zu Funktionären und Wählern. Manche Parteien haben mittlerweile weitaus mehr Medienmitarbeiter, als Medien Journalisten haben, die für sie Recherchen durchführen. Diese Parteimitarbeiter bereiten die Erzählung für die Medien vor, und die Versuchung ist gerade bei Tageszeitungen groß, diese Inhalte ungefragt zu übernehmen.

Unabhängiger Journalismus ist zur Verteidigung des liberalen Rechtsstaats und der Demokratie unverzichtbar, so Mag. Selma Yildirim, Abgeordnete der SPÖ im Nationalrat. Diese Unabhängigkeit gilt es zu schützen; umso mehr in Zeiten, wo Österreich im Ranking von Reporter ohne Grenzen immer weiter zurückfällt und die Message Control sowie die Inserate-Politik der letzten beiden Regierungen immer ausufernder werden. Für Yildirim ist es schön zu sehen, dass sich in der Zivilgesellschaft endlich Widerstand gegen diese Art von Politik rührt.

In Zeiten von Jörg Haider hat Antonia Gössinger in Kärnten viel erlebt: von Abo-Stornierungskampagnen bis hin zu Boykottaufrufen bei Inseraten. Der große Unterschied zu heute ist, dass die wirtschaftliche Unabhängigkeit wesentlich ausgeprägter war und man sich diesen Attacken viel besser erwehren konnte. Bei der Kritik bzgl politischer Einflussnahme kann man keine Partei ausnehmen: sowohl die Türkis-Grüne Regierung, als auch die Stadtregierung Wien aus SPÖ und NEOS scheuen sich nicht, den Boulevard mit Presseförderungen zu füttern.

Wie sich die Corona-Krise auf die Medienlandschaft ausgewirkt hat, wird in der folgenden Diskussion ebenso besprochen, wie die Notwendigkeit einer breiten öffentlichen Diskussion über unabhängigen Journalismus (Macht braucht Kontrolle) und eine pluralistische Medienlandschaft – und wie man diese in Zukunft erreicht. Wie üblich wird auch auf Publikumsfragen eingegangen.

Credits

Image Title Autor License
Kaputte-Medienlandschaft

Diskussion (Keine Kommentare)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.