Kult Kanzler Kreisky

Anfang Juni 2020 lud der BSA zu einer Diskussion über den wohl bekanntesten sozialdemokratischen Kanzler Österreichs, Bruno Kreisky, dessen Todestag sich im Juli zum dreißgsten Male jährte. Das neue Buch von Dr. Christoph Kotanko gab der Veranstaltung ihren Namen.

Der Grund für sein neues Werk sei, den jungen Generationen Kreisky, aber auch seine Vorgänger näher zu bringen, so Kotanko. Der Ex-Kanzler war immer offen für außenstehende Meinungen – im Gegensatz zum aktuellen Kanzler. Auch junge Talente hat er gefördert. Message control war damals kein Thema – Kreisky hat ein „wirkliches Leben gelebt“.

Im Folgenden schildern Margit Schmidt, ehemalige Büroleiterin Kreiskys, Dr. Peter Jankowitsch, ehemaliger Botschafter und Außenminister, und der ehemalige Botschafter Dr. Wolfgang Petritsch ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem damaligen Kanzler – und seine persönlichen Widersprüche im Handeln und Denken, wie an einzelnen Beispielen ausgeführt wird.

Neben Olof Plame und Willy Brandt war Kreisky der dritte wichtige Vordenker der europäischen Sozialdemokratie. Bei der Umsetzung der Ideen war er äußert erfolgreich. In der Aussenpolitik war er ein Tabubrecher – immer mit dem Ziel, die Sicherheit Österreichs zu erhöhen, damit eine Situation wie 1938, wo das Land von allen verlassen wurde, nicht mehr eintreten kann. Auch war er ein großer Anhänger der Neutralität.

Innenpolitisch sieht Kotanko vor allem die Bildungs- und die Justizpolitik als größte Errungenschaften Kreiskys. Seine Fähigkeit – vor allem in späteren Jahren -, gutes Personal zu finden, war für die Umsetzung der Ideen von großem Vorteil. Ein Schwerpunkt seiner politischen Tätigkeit war der Arbeitslosigkeit gewidmet – bzw Menschen in Arbeit zu halten. Diese Austrokeynesianismus genannte Wirtschaftsphilosophie wurzelt in Kreiskys negativen Erfahrungen vor dem 2. Weltkrieg und mit dem schwedischen Sozialsystem.

Kreisky wurde vor allem in den späteren Jahren mit den Titeln Sonnekönig oder Journalistenkanzler betraut. Dennoch versuchte er, mit Andersdenkenden den Dialog zu erhalten. Auch die Zuneigung der einfachen Bürger war Zeit lebens für ihn wichtig.

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