Migration, Integration – Soll Österreich ein Einwanderungsland bleiben oder was sollte sich ändern und verbessern?

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Der 33. Bürgersalon, der am 5. März 2024 stattfand, nahm sich eines der großen Themen unserer Zeit an, das alle Wahlen dieses Jahres maßgeblich beeinflussen wird: Migration und Integration von Flüchtlingen und Migranten.

Nach einleitenden Worten des Veranstalters Carl Waldstein und des Moderators Dr. Emil Brix zeigt der Migrationsexperte Mag. Gerald Knaus Mythen und Fakten rund um das Thema Migration auf: die ständig steigenden Prognosen, die den tatsächlichen Flüchtlingsbewegungen widersprechen; das österreichische Asylparadox: trotz harscher Worte wurden unter Kanzler Kurz so viele Menschen Asyl gewährt, wie nie zuvor; und die Lösung über Asylverfahren in sicheren Drittstaaten, die die illegale Migration beenden würde.

Für den Stadtrat für Bildung und Integration in Wien, Christoph Wiederkehr (NEOS), sind die beiden entscheidenden Fragen für eine Stadt wie Wien, die über Jahre einen hohen Zustrom erlebt hat, wie man Migration reguliert und wie man Integration erfolgreich umsetzt. Damit dies gelingt, müssen Zuwanderer einerseits unsere demokratischen und gesellschaftlichen Werte akzeptieren; andererseits muss die aufnehmende Gesellschaft den Zuwanderern Chancen bieten – und diese müssen diese auch nützen wollen. Ein großes Problem in Österreich ist, dass außer Wien kein anderes Bundesland seine Asylquote erfüllt.

Mag. Martin Kienl, Leiter der Sektion 2 für Integration im Bundeskanzleramt, sieht in der Anzahl der Einwanderer und in deren Bildungshintergrund die wichtigsten Kennzahlen für seine Arbeit. Letzterer ist bei der Mehrheit der Flüchtlinge sehr niedrig. Die aktuelle Arbeitsmarktsituation erleichtert diesen Menschen die Integration dahingehend, dass selbst Menschen ohne Deutschkenntnisse einen Job finden. Die Integration der Ukrainer läuft sehr erfolgreich. Adäquate Integrationsstrukturen könnten langfristig ein Vorteil sein, wenn es um den internationalen Wettbewerb für Fachkräfte geht.

Univ.-Prof. Matthias Beck, Moraltheologe und Mitglied der Bio-Ethikkommission, geht auf die Prinzipien ein, auf denen das europäische Modell der Flüchtlingskonvention steht: die griechische Tugendethik, Verteilungsgerechtigkeit und personale Gerechtigkeit. Er stellt sich die Frage, ob es auch – wie damals bei Corona – die Möglichkeit einer Triage-Regelung für Flüchtlinge gibt, um aus den Vielen auswählen zu können. Nicht die Politik, sondern die Zivilgesellschaft setzt Integration um – weshalb auch ein Ethikunterricht in der Schule gerade für die Zuwanderer entscheidend ist.

In einer zweiten Podiumsrunde äußern sich die Teilnehmer zu diversen Lösungsansätzen: Drittstaaten, Abkommen mit Großbritannien, gerechte Verteilung in Europa, rasche Arbeitsmarktintegration und bildungsbezogene Integrationsmaßnahmen. Im Anschluss gehen die Teilnehmer auf Fragen aus dem Publikum ein.

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