Von Deplatforming bis Transhumanismus – Im Gespräch mit Gudula Walterskirchen

Gesellschaft

Nach einer Babypause meldet sich Moderatorin Yvonne Gaspar wieder zurück mit den Kitchen Talks. Heute zu Gast ist die Autorin und Historikerin Dr. Gudula Walterskirchen. Sie studierte in Graz und für das Doktorat in Wien, wo sie auch ihre ersten beruflichen Erfahrungen sammeln durfte. Dass sie in den Journalismus einsteigen würde, hatte sich schon in ihrer Jugend abgezeichnet.

Aufgewachsen in einem katholischen Elternhaus prägt sie die Religion bis heute: in krisenhaften Situationen und wenn es darum geht, schwierige Entscheidungen zu treffen, greift sie regelmäßig auf ihren Glauben zurück. Die Verfehlungen der Institution Kirche sind für sie wie für jeden Christen eine große Herausforderung.

Wie für jeden anderen Beruf so gibt es auch für den Journalismus gewisse Grundregeln, an die man sich halten sollte: zB ist die Unterscheidung zwischen Bericht und Kommentar klar zu treffen – aber genau hier verschwimmen die Grenzen in den letzten Jahren immer mehr. Der Haltungsjournalismus, der früher nur im Boulevard zu finden war, traut den Menschen nicht zu, selbständig zu denken, wenn ihnen alle Fakten neutral (wie es in einem Bericht sein sollte) aufbereitet werden.

Dem Vorteil der Neuen Medien, dass man viel leichter an Informationen herankommt (wenn man definiert hat, wonach man sucht), als früher, steht der Nachteil gegenüber, dass man die Quelle immer aufs Neue bewerten muss. Im Gegensatz zum Brockhaus früherer Jahre sind die heutigen Referenzseiten im Internet (zB Wikipedia), die Informationen überprüfen und bereitstellen, oftmals black boxes, wo man nicht weiß, wer die Information überprüft hat und ob derjenige überhaupt dazu befähigt ist. Man müsse bedenken, dass viele dieser Seiten nicht neutrale Informationen bereitstellen, sondern oftmals eine Agenda vertreten und Inhalte bewerten.

Den Morgen nutzt Walterskirchen für ihre kreative Arbeit. Neue Informationen über das aktuelle Weltweltgeschehen holt sie sich erst im Laufe des Tages. Die anstrengenden Jahre als Tageszeitungsjournalistin vermisst sie nicht, da immer das Gefühl mitschwang, nicht genug Zeit für eine umfassende Recherche gehabt zu haben.

Als Historikern hat sie sich viel mit dem Bürgerkrieg von 1934 auseinandergesetzt, dessen gesellschaftsspaltende Folgen unterschwellig auch heute noch zu finden sind. Wie auch in diesem Fall so ist es oftmals so, dass Interessensgruppe oder Machthaber die Gesellschaft in eine Spaltung hineintreiben, um ihre Interessen einfacher umsetzen zu können.

Die Präsentation ihres neuen Buches Wie wir unfrei werden, die man hier nachsehen kann, ist im weiteren Verlauf des Gesprächs ebenso Thema, wie die Gratwanderung zwischen Freiheit und klaren Grenzen in der Kindererziehung, die vielfältigen Gründe für die zunehmende Angst, wie Religion im Umgang mit Angst und Leid helfen kann, warum Deplatforming den öffentlichen Diskurs zerstört und warum der Transhumanismus für Walterskirchen die größte Gefahr für die Menschheit ist.

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