Vortrag: Strategien und Kräfteverhältnisse im Südchinesischen Meer

Nikolaus Scholik

Veranstaltungsdaten

Datum
18. 1. 2017
Veranstalter
Diplomatische Akademie Wien
Ort
Diplomatische Akademie Wien
Veranstaltungsart
Vortrag, Podiumsdiskussion
Teilnehmer
Dr. Nikolaus Scholik, Autor, AEIS Senior Advisor
Dr. Werner Fasslabend, Moderation, Ehrenpräsident der Politischen Akademie der ÖVP
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Wie wichtig die geographische Lage für die Bedeutung einer Nation als regionaler wie internationaler Machtfaktor sei, beschreibt Dr. Nikolaus Scholik am Beispiel der USA und Chinas: Während die USA nur von zwei befreundeten Ländern umgeben seien und einen freien Zugang zu zwei Ozeanen hätten, sei China von zwölf Ländern umgeben, von denen die Hälfte keine freundlichen Absichten hege. Weiters sei der Zugang Chinas zu den Ozeanen beschränkt, und das südchinesische Meer sei für das Reich der Mitte von essenzieller Bedeutung.

Um als globale Seemacht zu gelten, brauche man Flugzeugträger. China besitze aktuell nur ein Schulschiff, um den strategischen und taktischen Umgang zwischen den Schiffsgattungen in einem Flugzeugträgerverband zu lernen. Russlands einziger Flugzeugträger sei mit veralteter Technologie ausgestattet. Japan habe zwei Hubschrauberträger gebaut, auf denen auch die modernen Jäger der USA landen könnten. Die zwei Flugzeugträger Großbritanniens, die 2025 fertig werden sollten, würden wahrscheinlich in enger Kooperation mit den USA im Atlantik eingesetzt. Frankreich besitze einen Träger, dessen Strategie und Einsatz aber streng national ausgerichtet sei und das auch bleiben solle. Die USA besäßen zehn Flugzeugträger-Kampfgruppen und seien damit mit Abstand die größte (und auch einzige echte) maritime Macht.

Erst wenn eine Nation drei oder mehr Flugzeugträger habe, könne man von einer kampfkräftigen Trägerflotte sprechen. Warum? Flugzeugträger seien hochkomplexe Systeme, für deren Instandhaltung viel Zeit aufgewendet werden müsse. Von den zehn Flugzeugträgern der USA seien maximal sieben gleichzeitig in Aktion.

Die größte Gefahr für Flugzeugträger stellten U-Boote dar, von denen es zwei wichtige Kategorien gebe: Strategische U-Boote würden in der atomaren Abschreckung eingesetzt; Jagd-U-Boote fungierten sowohl als Schutz für den eigenen Trägerverband als auch als Angriffswaffe gegen gegnerische Schiffe. Alle amerikanischen U-Boote besäßen einen Nuklearantrieb, viele chinesische liefen noch mit Diesel.

Wenn man erfahren wolle, wo sich die amerikanischen Trägerflotten befinden, reiche ein Besuch einer Webseite. Im Satellitenzeitalter mache es wenig Sinn, Aufenthaltsorte von Schiffen geheim halten zu wollen. Wenn, dann gelinge das einzelnen strategischen U-Booten bei sehr langen Ausfahrten in tiefe Gewässer.

Wenn man sich weltweite Basen leisten könne wie die USA, dann habe man im Ernstfall eine viel kürzere Reaktionszeit als ein Land wie China, das seine zwei vorhandenen Flotten aus den Heimathäfen starten lassen müsse und entsprechend begrenzt in seiner Reichweite sei.

Sehe man sich die strategische Lage Chinas an, dann müsse es sich ob der zahllosen Militärbasen der USA eingeengt fühlen. Eine Gegenmaßnahme fuße in der String of Pearls-Theorie: Man schaffe sich Landstützpunkte, die sowohl wirtschaftlich als auch militärisch genutzt werden könnten. Deshalb investiere China weltweit seit Jahren in den Ausbau von Häfen.

Chinas Verteidigungsstrategie gegen einen möglichen Angriff von See basiere hauptsächlich auf Abwehrmaßnahmen von Landstützpunkten aus, da, wie gesagt, keine ausreichend große Flotte zur Verfügung stehe. Um die amerikanische Übermacht einzuholen, würden noch mehrere Jahrzehnte vergehen müssen.

Scholik rechnet nicht damit, dass es in absehbarer Zeit zu einem Krieg zwischen den USA und China kommen würde. Dass es über Stellvertreter oder in bestimmten Gebieten (z.B. südchinesisches Meer) zu heißen Berührungen kommen könne, sei aber recht wahrscheinlich:

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Credits

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Nikolaus Scholik Nikolaus Scholik Idealism Prevails CC BY-SA 4.0
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