Zensur funktioniert nicht – Dieter Dehm im Gespräch mit Dr. Hannes Hofbauer

Politik

Der bekannte Musikproduzent und ehemalige Abgeordnete zum Deutschen Bundestag für die Partei „Die Linke“, Dieter Dehm, interviewte Anfang Mai den Verleger und Autor
Dr. Hannes Hofbauer zu seinem neuen Buch Zensur für den Youtube-Kanal weltnetzTV.

Das Wesensmarkmal von Zensur ist für den Verleger und Bürgerrechtsaktivisten Hofbauer der Versuch der herrschenden Kräfte, den eigenen Diskurs entsprechend zu positionieren und die Gegenöffentlichkeit hintanzuhalten. Zensur ist allerdings immer auch ein Zeichen von Schwäche: denn nur wenn die Herrschaft wackelt und die Menschen ihren Argumenten nicht mehr folgen, muss sie Kritiker verbieten, um ihre Macht zu erhalten.

Dehms Gegenargument, dass Zensur vor allem dann angewandt und auffällig wird, wenn Herrschende in ihrer abgesicherten Macht übermütig werden, kann Hofbauer historisch wenig abgewinnen. Gerade in Zeiten des Umbruchs – und in solchen leben wir gerade -, in denen die unterschiedlichen Strömungen und Entwicklungen spannend zu untersuchen wären, versuchen die Herrschenden der Unsicherheit, wohin es gehen wird, mit Zensur zu begegnen, um die möglichen Stoßrichtungen der Veränderung auf jene einzuschränken, die man meint, kontrollieren zu können. Die aktuell laufende Entwicklung, die einen Zensurierungsgrad wie seit Jahrzehnten nicht gesehen aufweist, ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Die gute Nachricht aus Hofbauers Untersuchungen: Historisch betrachtet hat Zensur nie funktioniert; auch wenn sie viele Opfer gefordert hat, so hat sich das freie Wort am Ende immer durchgesetzt. Der aktuelle Vertrauensverlust in Politik und Medien ist eindrucksvoller Beweis dafür.

Von den unterschiedlichen Formen der Zensur sei die aktuelle am gefährlichsten, meint Dehm: denn sie baut auf angeblich demokratische Strukturen und auf ein freiwilliges Spitzelwesen auf, dass sich zwar auf Fakten beruft, sich tatsächlich aber moralisch und ideologisch legitimiert und restlos davon überzeugt ist, das Richtige zu tun. Ein wichtiges Mittel zur Überzeugung der Masse sind dabei die Faktenchecker: aus einem notwendigen Antrieb heraus gebildet – nämlich die medial verbreiteten Lügen und Halbwahrheiten über den Irakkrieg offenzulegen -, haben sich diese in den letzten Jahren unter dem Einfluss diverser Philanthropen zu einem weiteren Propagandawerkzeug der Herrschenden ins Gegenteil verkehrt. Der Anspruch der Weltverbesserung impliziert die Frage, wohin diese führen soll – doch dies wird öffentlich nicht diskutiert.

Die kleinen Schwestern bzw. die Vorläufer der Zensur, die vor allem während der Pandemie eine große Rolle gespielt haben, sind für Hofbauer das (Ver)Schweigen und die Diffamierung.

Die Aushöhlung des Faschismusbegriffes weg von der sozialen Frage ist im weiteren Verlauf des Gespräches ebenso Thema, wie der Zusammenhang von Gerechtigkeit und Freiheit, historische Beispiele von freien Denkern und die Wichtigkeit der geistigen Freiheit für die Emanzipierung unterdrückter Klassen.

 

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