Die Neuordnung der Welt in Bewegung (BSA)

Politik

Mitte Dezember lud der BSA zu einer Online-Diskussion über die Szenarien einer möglichen künftigen Weltordnung: wird sie Multipolar, gibt es neue Blockbildungen, werden Kriege und Gewalt weiterhin die Geschichte bestimmen? Durch die Veranstaltung führt Moderator Matthias Vavra.

Der Journalist und Historiker Dr. Raimund Löw geht davon aus, dass der Krieg in Gaza nicht zeitnah enden wird. Auch wenn die USA (als einzige) eindeutig auf Seiten Israels steht, schafft sie es nicht, Israels Militäreinsatz zu mäßigen. Mittelfristig wird sich die Frage stellen, ob die USA zwei Kriege zur gleichen Zeit unterstützen kann – vor allem, wenn früher oder später die Auseinandersetzung mit China droht. Russland pflegt seit langem gute Beziehungen zu vielen arabischen Ländern – und nützt die proisraelische Positionierung der USA in diesen Ländern für seine eigenen Zwecke.

China sei nicht erfreut, was sich aktuell im Nahen Osten zuträgt, meint die Sinologin Univ.-Prof. Mag. Dr. Susanne Weigelin-Schwiedrzik: Auch wenn man in Peking erkennt, dass die USA an ihre Grenzen als Weltmacht gelangt, so muss China auch feststellen, dass es selbst noch nicht so weit ist, das sich bildende geopolitische Vakuum füllen zu können. Für die Welt besteht die Gefahr, dass sich lokale Herrscher/Gruppen auf Grund der Schwäche der bisherigen Weltmacht bestärkt fühlen, um ihre Konflikte auszutragen. China habe der USA angeboten, im Nahost-Konflikt zusammenzuarbeiten – im Gegenzug erhofft man sich, dass die USA weniger Einfluss auf die Wahlen in Taiwan nehmen.

Russlands Präsident Vladimir Putin meinte kürzlich, der Krieg im Nahen Osten ist das Ergebnis einer gescheiterten Ordnungspolitik der USA. Die tendenziell eher pro-palästinensischen Äußerungen, die seit dem 7. Oktober aus Moskau zu vernehmen sind, dienen laut dem Politikwissenschafter Univ.-Prof. Dr. Gerhard Mangott vor allem dazu, bei den armen Ländern des globalen Südens, die zumeist mit den Palästinensern sympathisieren, Anklang zu finden, um sie im Ukrainekrieg auf die Seite Russlands zu ziehen. Andererseits will Putin die Beziehungen zu Israel, welches sich bisher nicht an den Sanktionen gegen Russland angeschlossen hat und keine Waffen an die Ukraine liefert, nicht gänzlich zerstören.

Die Rolle Europas im Nahost-Konflikt, Chinas Einfluss auf den Ukrainekrieg und auf den Iran, Chancen auf Verhandlungslösungen in beiden Konflikten, die politische wie gesellschaftliche Unberechenbarkeit Russlands und die notwendige, geopolitische Neupositionierung Europas sind weitere Themen dieser Diskussion, die mit Publikumsfragen abgeschlossen wird.

Credits

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BSA – Die Neuordnung der Welt-DE-IPHP Wolfgang Müller CC BY SA 4.0

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