Ivanka Trump

Ivanka Trump

Ich gebe zu, dass ich kein großer Fan von Politik bin; ich bin sicherlich keine Expertin und habe auch die letzten US-Präsidentschaftswahlen nicht verfolgt. Doch in diesem ganzen Theater gab es eine Person, die mir auffiel und meine Neugier weckte.

Ja, ich spreche natürlich von einem Mitglied der Trump-Familie, weil man sie unmöglich übersehen kann und ihr Vater die Wahl gewonnen hat, die ihn zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika machte. In Ivanka Trump finden die Menschen Normalität und Sicherheit, und so täuschen sie sich selbst mit dem Glauben, dass es tief unten doch noch die Chance gibt, dass auch Donald Trump so sein könnte, weil sie dieselben Gene teilen. Die Leute sehen Ivanka Trump und schöpfen Hoffnung. Warum ist das so? Warum inspiriert sie in so vielen den Glauben, dass alles unter Kontrolle sei, dass ihr Vater wisse, was er tut, dass sie wisse, in was sie hineingeraten ist? Und warum hält man, wenn man sich ein Interview mit ihr angesehen hat, alle Fragen für beantwortet und alle Zweifel für ausgeräumt, obwohl das gar nicht der Fall ist?

Zuallererst muss ich ihr eines zugestehen, von Frau zu Frau, ganz egal, ob ich die Trumps nun mag oder nicht: Ivanka Trump scheint alles zu haben – ein tolles Familienleben, Karriere in Politik und Geschäft, Ruhm und sehr viel Einfluss. Doch sie scheint mit all dem stets mit Stil und Klasse umzugehen, lässt sich nie auf dem falschen Fuß erwischen.

Sie ist 35 Jahre alt, war früher Model und lernte, dieses Geschäft zu hassen. Sie machte einen Abschluss mit „cum laude“ an der Wharton Business School der Universität von Pennsylvania. Sie konvertierte zum Judentum, um Jared Kushner heiraten zu können, mit dem sie drei Kinder im Alter von einem, drei und fünf Jahren hat. Sie hatte ihre eigene Schmuck- und Bekleidungsfirma, sie ist die Gründerin von „Women Who Work“, einem Netzwerk von Frauen, die andere Frauen unterstützen, und sie war „Executive Vice President of Development & Acquisitions“ bei der Trump-Organisation. Doch sie gab all dies auf und zog von New York nach Washington D.C. für einen unbezahlten Job als Assistentin des Präsidenten. Nebenbei hat sie auch noch ein Buch veröffentlicht und arbeitet an einem weiteren.

Zweitens überrascht mich ihre Diplomatie; denn wie alle habe auch ich die Tendenz, sie mit ihrem Vater zu vergleichen, Donald Trump. Sie jedoch weiß, wie sie sich zu benehmen hat, auch wenn sie in ungemütliche Situationen gerät.

So zum Beispiel gab sie, als Wendy Williams sie und Donald nach ihren Lieblingsbeschäftigungen fragte, zur Antwort: „Immobilien und Golf spielen“ – während er sagte: „Naja, ich wollte sagen Sex, aber damit beziehe ich mich nicht auf sie.“ Wie reagiert man auf so eine Aussage, wenn sie in der Öffentlichkeit vom zukünftigen Präsidenten der USA gemacht wird, der auch noch der eigene Vater ist und direkt daneben sitzt? Ivanka zeigt uns, wie das geht.

Sie wurde darauf trainiert, vage zu bleiben und so sympathisch wie möglich wirken, sodass jeder glaubt, sie würde seine Überzeugungen teilen.

Und wenn man sich ihre Antwort anschaut, bemerkt man, dass sie absolut nichts Neues gesagt hat, weil alle wissen, wofür die Trumps bekannt sind. Doch sie hat diese Fähigkeit, nichts zu sagen und damit stets ihren Vater zu unterstützen und zu verteidigen. Ich nenne sie gerne „die Saubermacherin“, weil sie es immer irgendwie schafft, das Chaos aufzuräumen, das Donald Trump in seinen Interviews und Stellungnahmen anrichtet – auch wenn es bedeutet, dass sie ausgebuht wird, wie es beim Frauengipfel in Deutschland geschah, als sie Trumps Haltung gegenüber Frauen aus ihrer eigenen Erfahrung als seine Tochter verteidigte.

Drittens wissen wir nicht wirklich, was Ivanka Trump eigentlich macht. „Ich glaube, dass die meisten Menschen nicht wissen werden, welchen Einfluss ich im Lauf der Zeit nehme.“ Sie könnte sehr viel tun oder auch einfach gar nichts, und es ist sehr spannend, wie sie den perfekten Satz gefunden hat, der es einem erlaubt, auf sie zu projizieren, was immer man möchte. Doch sie versicherte uns: „Mein Vater ist in so vielen Dingen einer Meinung mit mir, und wenn das einmal nicht der Fall ist, weiß er, wo ich stehe.“ Sie erklärt in ihrem Buch auch, wie man mit den Karten spielt, die einem zugeteilt wurden:

Die Sichtweise ist wichtiger als die Realität. Wenn jemand etwas als wahr ansieht, dann ist diese Sichtweise wichtiger als die Frage, ob es tatsächlich die Wahrheit ist … Das bedeutet nicht, dass man heuchlerisch oder hinterhältig sein soll, aber man muss seinen Weg nicht verlassen, um eine falsche Annahme zu korrigieren, solange sie zum eigenen Vorteil ist.

Sie hat einfach alles: Schönheit, Intelligenz und einen verschwenderischen Lebensstil – soviel steht fest. Und da Melania Trump sich entschieden hat, nicht ins Weiße Haus zu ziehen, weil sie für ihren Sohn da sein möchte, ist die Frage, die jeder auf den Lippen hat: „Wer wird die First Lady sein?“ Und wisst ihr was? Es wird davon ausgegangen, dass Ivanka diese Stellung einnehmen wird. Also kein Stress, Ivanka Trump!

Übersetzung Englisch-Deutsch: Martin Krake

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Ivanka Trump Ivanka Trump Michael Vadon CC BY 2.0

Diskussion (2 Kommentare)

  1. Bin erstaunt und erfreut über diese treffende Beschreibung von Ivanka Trump von einer so jungen Autorin, die den Mut hat- nicht dem verlogenen Mainstream-Drecksjournalismus zu folgen – sondern ganz einfach das sagt- was wir hier wahrnehmen! Jene, die sie nicht persönlich kennen – können doch nicht anders- als sie zu bewundern. Sie scheint wirklich ALLES zu schaffen und zu haben- sie scheint jedenfalls eine Meisterin des Time-Managements zu sein. So einen vollen Terminkalender zu haben – und dennoch immer top auszusehen – eine funktionierende Ehe und liebe Kinder zu haben – dazu gehört schon was. Warum kann man sich nicht mir ihr freuen und evtl. sie als Vorbild sehen? Niemand kommt so nahe der Perfektion.

  2. Naja, wenn Frauen über Frauen Kaffeklatsch schreiben (und warum müssen das immer Frauen tun, bzw. warum tun das immer Frauen?) dann kann man schon erwarten was kommt.
    Nichts. Das meint:

    Selbstbeschäftigung mit unemanzipierten Biologie-Heilsbildern. Selbstsexismus, wenn man so will. Also bei Frauen meint das Emanzipation, also eben erade nicht eine geistige Unabhängigkeit gegenüber der eigenen Biologie, sondern gerade das Gegenteil, völliges hingeben in biologische Wertigkeiten und Denkdimensionen.

    Sie sei schön, sei intelligent, sei reich, sei verschwenderisch, habe Einfluß, Erfolg…

    Boa, kotz, speiübel … GÄHN. Das sind ja mal tiefgehende Dimensionen, die so richtig den Menschen in seiner (geistig-seelischen) Bedürftigkeit erfassen.

    Und damit meint die Autorin wohl ein Lob ausgesprochen zu haben. Ich empfinde das höchst verengend und reduzierend, kurz und knapp: sexistische Frauenvulgarität.

    Am meisten aber schock mich die Projektion : „In Ivanka Trump finden die Menschen Normalität und Sicherheit“ …

    Die Ivanka? Wow. Also als Mann stünde eines fest:
    Auf der Suche nach einem Statussymbol, Ivanka ist dein ‚Mann‘; Ivanka als Sextoy, warum nicht auch dominant, ja klar möglich, denn sie weiß sich immerhin gut zu kleiden, (ob sie dann die Genüsse des Leibes wirklich beherrscht, schon widerum fraglich) – ja diese sexuelle-biologische Ebene gibt es – aber eben nicht nur.

    Aber mal ehrlich: Nach dieser pubertären, biologischen, sexistischen Schau beginnt der Mensch, also Männer, den Menschen zu suchen, und da würde ich als Mann bei ‚Ivanka‘ ganz klar Normalität als letztes annehmen.

    Allein der Name ist Klischee. Eine Glaubenskonvertierung ist ernstgenommen sehr problematisch und unernstgenommen auf andere Weise ebenfalls.

    Da wir sie nicht privat kennen, wo bitte schön meint die Autorin auch nur eine Stufe der Norma zu anderen Menschen zu sehen?

    Wie kommt man zu solch Fehlurteil?

    Die wenigsten Frauen taugen zum Modeln, wenige kleiden sich teuer, noch weniger haben ein dermaßen verwöhntes Umfeld.

    Aber ich weiß schon, Frauen reden über solche Oberflächlichkeiten mit einer gewissen Selbstverdächtigung, deren eigene Abweichungen immer nur graduell und nicht qualitativ gedacht werden.

    Ich kürze ab: Schuster bleib bei deinen Leisten. Und: Wer andere bewundert, hat nichts aus sich selbst gemacht.