Gunnar Kaiser: Schöne Neue Welt – Technokratie und Transhumanismus im 21. Jahrhundert (Vortrag bei der Zukunftskonferenz 2021)

Gesellschaft

Zu Beginn seines Vortrags „Schöne Neue Welt – Technokratie und Transhumanismus im 21. Jahrhundert“ bei der Zukunftskonferenz 2021 in Wien erinnert der deutsche Philosoph und unabhängige Medienmacher Gunnar Kaiser an Edward Snowden, der bereits lange vor der Coronakrise folgendes gesagt hatte: „Die Privatsphäre abzuschaffen mit der Begründung, ich habe nichts zu verbergen, wäre so, wie wenn man die Meinungsfreiheit abschaffen würde, weil man nichts zu sagen hat.

Das Erschreckende für Gunnar Kaiser ist, festzustellen, dass überraschend viele Menschen mit beiden Fällen der Einschränkung – also sowohl mit der massiven Einschränkung der Privatsphäre als auch der Meinungsfreiheit – kein Problem haben. Der bekannte Videojournalist erklärt, dass es sich der Mainstream eigentlich sparen hätte können, die ganzen kritischen Stimmen zu den Coronamaßnahmen öffentlich zu diffamieren, da scheinbar niemand daran interessiert ist, das geltende Narrativ zu hinterfragen.

Nach Aristoteles beginnt die Philosophie mit dem Staunen. Dieses Staunen erfasste auch ihn selbst, wenn er sich die Entwicklungen der letzten zwei Jahre ansieht, für die er zwei Erklärungen gefunden hat: die einen sagen, der Neoliberalismus hat endgültig „die Macht übernommen“; die anderen sehen eine kommunistische Agenda am Werk, die die gesamte Welt gleichschalten will.

Für Kaiser sind beide Erklärungsmodelle zu vereinfachend: es steckt eine Ideologie dahinter, der es relativ egal ist, ob man vom Kapitalismus oder vom Kommunismus spricht. Diese technokratische Ideologie hat weder Fahne, noch Partei, noch Führer und kann sich mit beiden genannten Ismen erfolgreich arrangieren. Vertreter dieser Denkschule behaupten, dass Corona gezeigt habe, dass nur die Technokratie unsere Probleme lösen kann – denn alle Staaten (v.a. in Asien), die technokratisch vorgegangen sind, haben die Krise erfolgreich bewältigt. Um sich argumentativ abzusichern, beruft man sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die der Technokrat seinen Entscheidungen zugrunde legt. Damit umgeht man auch die in einer Demokratie normalerweise notwendigen Diskussionen – denn wenn die Wissenschaft den Standard vorgibt, braucht es keine Diskussion innerhalb der Gesellschaft mehr. Und so erreicht man auch einen großen Effizienzgewinn.

Die Idee der Technokratie hat einen langen philosophischen Vorlauf: das Philosophenkönigtum Platons ist dahingehend als Vorläufermodell zu sehen, da der König (im Glauben an eine natürliche Grundordnung) alle Mitglieder der Gesellschaft im optimalen Fall an die Stelle setzt, wo sie am Effizientesten agieren. Wichtig ist, dass dieser König einen starken Sinn für Gerechtigkeit hat: da er als einziger die gesamte Gesellschaft überblickt und für alle Menschen eine Entscheidung trifft, sollte diese möglichst gerecht ausfallen. Auch bei Thomas Morus‘ Utopia finde sich ähnliche Gedankengänge was die Gerechtigkeit betrifft.

In den 20er/30ern bildete sich vor allem in den USA mit technocracy incorporated die erste technokratische Bewegung, deren Hauptinhalt die gerechte Verteilung von Energie war. Auch dafür benötigt man natürlich eine zentrale Planstelle: um zu kontingentieren, zu kontrollieren und gegebenenfalls zu sanktionieren.

Die Definition der Technokratie, Ankündigungen/Drohungen von Zbigniew Brzeziński und Charles Schwab, dem Vorsitzenden des WEF, über mögliche technische Überwachungsschritte ab 2030 (die natürlich nur „im Sinne einer besseren Verwaltung“ eingeführt werden sollen), das abnehmende Bewusstsein dafür, dass man Freiheit nicht führ mehr Sicherheit opfern dürfe, und die ständigen Warnungen vor künftigen Krisen, um Überwachungsmaßnahmen immer weiter auszubauen, sind weitere Themen dieses hervorragenden Vortrags von Gunnar Kaiser.

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gunnar kaiser – vortrag Wolfgang Müller 1

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