Stella Witt im Kampf gegen Plastik

Stella Witt

Die Umweltaktivistin Stella Witt (die eigentlich Wittmann heißt, gerne aber die Kurzform ihres Namens verwendet) setzt sich seit 2009 für die Bekämpfung von Plastik ein, nachdem sie Werner Bootes Film „Plastic Planet“ gesehen hatte. Seit 2012 versucht sie, auf politischer Ebene zu agieren und besucht regelmäßig internationale Umweltkonferenzen. Ihre Erfolge teilt sie auf Facebook, Twitter und Youtube. Stellas Berichte können auch auf meinbezirk.at nachgelesen werden. Die Aktivistin spricht über gesünderes Leben ohne Plastik, Projekte und Enttäuschungen in der Politszene. Und ich habe sie für euch interviewt:

Patryk Kopaczynski (PK):
Stella, du zeigst deinen Aktivismus in diversen sozialen Medien. Anhand deiner Postings scheinst du Einzelkämpferin zu sein. Stimmt das?

Stella Witt (S.W.):
In der Facebook-Gruppe „Plastic Planet“ bin ich mit einer Freundin aus der Steiermark aktiv unterwegs. Es gibt aber auch andere Umweltaktivisten, die heißen z.B. „Zero Waste Austria“. Neulich haben wir Mitstreiter gefunden und wollen den Verein „PlasticPlanet“ gründen.

PK: Seit wann bist du Umweltaktivistin?

SW: Nachdem ich 2009 die Dokumentation „Plastic Planet“ von Werner Boote gesehen hatte, wurde eine Facebookgruppe zu diesem Thema gegründet. Aktuell liken sie 22.000 Leute. Weil ich zur Hälfte Kroatin und zur anderen Österreicherin bin und Kroatien gut kenne, nahm ich die Plastikverschmutzung in Kroatien schon viel früher wahr. Jedoch wusste ich vorher nicht, dass Plastik so schädlich ist.

PK: Was für Erfolge hast du erzielt?

SW: Nur kleine. Es wird von Politikern aufgenommen, aber nur im Hintergrund. Den größten Erfolg bisher hatte ich zusammen mit meiner Freundin: Wir haben etwas auf die Beine gestellt, es wurde im Bildungsministerium aufgenommen. Lehrer können die „Akte Plastik“ frei von der Internetseite des Bildungsministeriums herunterladen und in der Schule anwenden. Sie basiert auf Freiwilligkeit. Ursprünglich wollten wir, dass die Dokumentation „PlasticPlanet“ zum verpflichtenden Unterrichtsinhalt wird, das Umweltministerium hat das aber abgelehnt. In der Steiermark wird die Akte verwendet. Aus Wien gibt es noch kein Feedback.

PK: Wer legt dir Steine in den Weg?

SW: Der Bekanntenkreis. Sie recyclen noch immer nicht, das trifft einen sehr. In der Politik das Umwelt- und Bildungsministerium. Wenn man erkennt, dass Plastik schädlich ist, müsste man es sofort reduzieren und nicht noch weiter auf mehrere Jahre Ziele setzen, die die Verwendung von Plastik beinhalten. Auch beim Thema Mikroplastik geht nichts weiter. Die Petititon „Gegen Plastiksackerl“ wurde 2014 dem Parlament überreicht. 2018 soll das durchgesetzt werden. Wie lange will man noch warten? Wir haben nicht mehr so viel Zeit!

PK: Was erwartest du dir von der Gesellschaft für deinen Einsatz gegen Plastik?

SW: Ich erwarte mir, dass alle recyclen. Auch Leute, die eine gute Schulbildung aufweisen und in Österreich geboren sind bzw. Deutsch als Muttersprache haben, recyclen nicht. Das hat also nichts damit zu tun, dass man es nicht verstehen würde, sondern das ist Ignoranz. Realistisch gesehen erwarte ich mir von der Gesellschaft gar nichts mehr. Und von den Politikern erwarte ich mir, dass sie das von oben regeln. Die Aufklärung von unten funktioniert nicht mehr. Keine Endloskonferenzen veranstalten, sondern endlich zur Tat schreiten – und das seit Jahren Niedergeschriebene durchsetzen!

PK: Du lässt dich auf Facebook mit Politikern fotografieren. Sie halten Kampagnenschilder. Kannst du deine Projekte näher beschreiben?

SW: Es sind mehrere Schilder. Weil es im Freundeskreis sinnlos ist, beschloss ich, zu Politikern zu gehen. Einige verstehen es, viele jedoch nicht. Es gibt drei Themen: Ein Schild bezieht sich auf Werner Bootes „PlasticPlanet“, das zweite sieht aus wie ein Verkehrszeichen mit der Aufschrift: “No Plastic Bags” – das versteht jeder. Das dritte fordert: „End Ecocide“.

PK: „End Ecocide!“ zu Deutsch „Stoppen wir Ökozid!“. Was bedeutet Ökozid?

SW: Im Zweiten Weltkrieg gab es den Begriff „Genozid“. Bei Ökozid wird die Natur getötet. Es gibt auch eine FB-Gruppe, die auf der Klimakonferenz vertreten war. In Den Haag soll ein Gesetz verfasst werden, das Umweltverbrechen auch über Kriegszeiten hinaus bestrafen würde. In Friedenszeiten gibt es praktisch keine Strafen für solche Vorgehen.

PK: Hast du Unterstützung von Parteien bzw. von einflussreichen Personen? Wenn ja, von wem und auf welche Art und Weise?

SW: Von Parteien haben wir keine Unterstützung. Wenn wir zu Parteien gehen, kündigen wir das immer vorher an, sonst werden wir sofort abgewiesen. Das funktioniert auch nicht immer. Meine größte Enttäuschung war Andreas Khol: Wir haben eine lange Mail bekommen, und ich vermutete, dass Herr Khol informiert sei. Als ich ihn persönlich getroffen habe, hatte er keine Ahnung. Er warf das Stoffsackerl, das ich ihm schenken wollte, auf den Boden und meinte „Do mochma kan Aktivismus!“ Khol hat so reagiert, wie es seiner Meinung zu diesem Thema entspricht. Da habe ich erkannt, dass ihm das überhaupt nicht wichtig ist. Sowas schwärzt dann auf die gesamte Partei ab.

PK: Wie kann ich gesünder leben ohne Plastik?

SW: Ganz wird man Plastik nicht verbannen können. Zumindest im Essensbereich sollte man sich damit aber auseinandersetzen. Wenn du Plastik reduzierst, dann lebst du automatisch gesünder. Früher habe ich Getränke in Plastikflaschen gekauft. Nachdem ich Plastik reduzieren will, trinke ich jetzt Tee oder Wasser. Ich kaufe festes Shampoo. Mit Plastik ist es auch nicht billiger als ohne Plastik. Ich habe mir mal am Weihnachtsmarkt eine Seife um sechs Euro aus Ungarn gekauft. Die hatte ich ein Jahr lang, obwohl sie für den ganzen Körper war. Eine Flasche Duschgel wird normalerweise innerhalb eines Monats verbraucht. Mit der Seife sparst du also zwölf Flaschen ein. Plus eine Flasche Flüssigseife pro Monat, das sind schon 24 Flaschen pro Jahr. Ein Duschgel kostet ca. 1 Euro und eine Flüssigseife genauso viel, das macht 24 Euro.

PK: Werden die Plastikverpackungen mit Absicht gemacht?

SW: Sicherlich. Es wird einem suggeriert, dass unverpacktes Gemüse, das man kauft, unhygienisch sei. Dabei ist meistens das verpackte Gemüse glyphosatverseucht. Bei unverpacktem Biogemüse ist das nicht der Fall. Der Bauer kontrolliert ständig seine Bioprodukte auf Verunreinigungen.

PK: Was ist dein Appell an die Gesellschaft?

SW: Falls wir so weitermachen, wird 2050 mehr Plastik als Fisch in den Ozeanen schwimmen. Heute werden in Fischkörpern ganze Plastikstöpsel gefunden. Plastik befindet sich bereits in unserem Essen. Wenn Plastik an der Oberfläche schwimmt, nimmt es alle anderen Giftstoffe, die daneben schwimmen, wie ein Magnet auf. Du hast dann neben dem Plastik auch Giftstoffe, die auf dem Plastik kleben, im Essen. In Zukunft wird es dann nicht mehr möglich sein, Fisch zu essen. Für meine Generation geht es sich noch aus. Für unsere Kinder aber nicht mehr, wenn wir so weitermachen.

Umweltwatcherin Stella Witt

Diskussion (10 Kommentare)

  1. Tolle Interview!! Gratulation! Stella – du bist nicht allein! Du hast von mir volle Unterstützung!! In meine private Umgebung mache ich es so lange wir uns können. Ich weiß, dass mein Unternehmen ist gleich wie ein Tropfen ins Meer, aber wenn alle werden machen gleich wie ich, bekommen wir volle Kübel 👍 . Liebe Grüße Ela&Zby

    1. Danke für die Blumen. Stella ist eine der wenigen Personen, die es vorzeigt, wie es geht. Was habt ihr denn für ein Unternehmen?

    2. 😊 Erfreulich ,nur so weiter ! Ich wünsche Dir das Du viele Menschen ansprichst….Es kommt uns allen zugleich zugute ! Eltern u.Kinder im Stress,haben für dieses Projekt fast keine Zeit entgegen zu wirken.. Das finde ich sehr sehr schade …ohje wie bunt wird unsere Welt noch mehr mit Plastik verseucht !! 🙄😱🙄😱

  2. Grossartig,wenn jeder Einzelne , etwas dagegen macht , wäre schon viel geholfen! Ich bin dabei! Wir Menschen machen unsere Welt kaputt😠😠😠😠

    1. Da stehe ich auf deiner Seite, liebe Lydia. Es fehlt von einigen einflussreichen Seiten die Bewusstmachung der Umweltverschmutzung mittels Mikroplastik.

  3. Super Leistung! Man braucht mächtig viel Idealismus, um gegen den Strom zu schwimmen und was gegen die Plastikmacht zu unternehmen

  4. Echt spitze Stella, mach bitte weiter so.

  5. Plastik ist wie eine Seuche – Eruption auf der ganzen Welt…..Weil die Ölindustrie so verwerfend Schlau wurde u.viel Geld daraus macht !! Es were natürlich Weltweit sehr klug dieses Plastikgerümpel abzuschaffen ….Brauchen wir das ….eher nein , es ist nur die Bequemlichkeit vieler Menschen…..Plastikunrat ist wie Unkraut verteilt u. das negative !!

    1. Schade schade ,was die Marktwirtschaft alles bietet u.erzeugt ! Das ist eine langkettige Verseuchung auf unserer Erde wie die Ozeane auch u.Meere ! Man müsste bewusst dafür eine Strafsteuer einrichten ….Das endlich dieser Negative unfug aufhört!!! Schlimm das zusehen zu müssen u.nicht,s passiert !! Alle sprechen nur die großen dicken Worte ! Bis lang habe ich noch keine Reduktion v.Plastikmüll wahrgenommen 👇😒😒 👇

  6. Tolles Interview, Stella! 😊
    Vielen Dank für diese simplen Beispiele zur Reduktion von Plastik. Es ist ein Thema, das jeden Einzelnen von uns Menschen täglich begleitet, daher sind wir auch alle angehalten, es ernst zu nehmen und unsere Einstellung dazu grundlegend zu ändern.