Mein Weg mit Skoliose: Auf der Suche nach Balance

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Im Alter von 16 Jahren wurde bei mir Skoliose diagnostiziert. In meinem Falle bedeutet dies zwei leichte Bögen in der Wirbelsäule und ein deutlicher Beckenschiefstand, wodurch ein Bein etwas kürzer ist als das andere. Nach Aussagen des Arztes waren die einzigen Behandlungsmethoden zur Korrektur einer Skoliose erstens das Tragen eines Korsetts und zweitens eine Operation. Für Ersteres war es bei mir schon zu spät, da ich mich im fortgeschrittenen Jugendalter befand und der Körper bereits zu weit ausgebildet war. Und Letzteres ist ein sehr aufwendiger und riskanter Eingriff, der generell nur in ganz schlimmen Fällen zu empfehlen ist. Beide Wege erschienen mir schon damals sehr radikal und schwarzmalerisch:

Entweder man zwängt sich nachts als Kind in ein Korsett und übersteht die Schmerzen und den Diskomfort, oder man unterzieht sich den riskanten und radikalen Strapazen einer Operation. Ich dachte mir, dass es doch auch andere Wege geben müsse …

Was genau ist Skoliose?

Das Wort Skoliose kommt von dem griechischen Wort „skolios“ und bedeutet „krumm“. Bei einer Person mit Skoliose ist die Wirbelsäule seitlich verkrümmt und in vielen Fällen auch in sich verdreht, was als Fehlrotation bezeichnet wird. Die Wirbelsäule hat eine S-förmige Ausbildung, mit der häufig eine sichtbare Lordose und/oder Kyphose einhergehen (ein Bogen bzw. Hohlkreuz im unteren und ein „Buckel“ im oberen Rücken).

Wird der Rücken einer von Skoliose betroffenen Person von hinten angeschaut, sind deutliche Seitabweichungen der Wirbelsäule weg von der geraden Mittellinie zu erkennen. Die Intensität der Seitverkrümmung hängt vom Schweregrad der Skoliose ab. Es wird zwischen der angeborenen und der nicht-angeborenen Skoliose unterschieden, wobei die letztere mit ca. 90% wesentlich häufiger vorkommt und sich erst in einer der Wachstumsphasen, während der Kindheit und Jugend, ausbildet.

Es ist generell zu sagen, dass fast niemand eine perfekt gerade Wirbelsäule hat. Eine Fehlstellung der Wirbelsäule wird allerdings ab ungefähr zehn Grad Verkrümmung orthopädisch behandelt. Die genaue Ursache einer Skoliose ist unklar und nicht wissenschaftlich erwiesen. Es lässt sich generell ein höheres Risiko erkennen, wenn der junge Mensch schnelle und starke Wachstumsschübe durchmacht oder hormonell bedingt längere Wachstumsphasen eintreten.

Es wird empfohlen, wenn eine Skoliose erkannt wurde, so schnell wie möglich durch physische Betätigung Einfluss zu nehmen und eine Mobilisierung der Wirbelsäule zu erreichen, da eine Skoliose sich im Laufe des Lebens verschlechtern kann und im fortschreitenden Alter Schmerzen auftreten können. Dies hängt auch stark vom Schweregrad der Skoliose ab.

Damit sich der Zustand meiner Skoliose nicht verschlechterte, riet mir der Orthopäde damals, zum Ballettunterricht zu gehen, um an meiner Körperhaltung zu arbeiten. Außerdem verschrieb er mir ein fünfwöchiges Kurprogramm in einer Klinik, in der junge Menschen mit Skoliose nach der Katharina-Schroth-Methode behandelt werden. Letztere war ein stringentes Trainingsprogramm und half mir, meine Skoliose temporär zu verbessern. Ich ging außerdem einige Jahre mehr oder weniger motiviert in die Ballettschule. Besonders die Kur verhalf mir zu einer Verbesserung meiner Haltung und gab mir Richtlinien für spezifische Skoliose-Übungen.

Nur leider konnte ich während meiner Jugend nie einen gesunden Ehrgeiz entwickeln und sah die Skoliose-Übungen als eine Pflicht. Ich verankerte den Glaubenssatz, dass alle Menschen meine Fehlstellung sehen konnten und ich nie gut in einer körperlichen Disziplin werden könne. Unterbewusst adaptierte ich einen negativen Blick auf meinen eigenen Körper und das Stigma meiner Skoliose als „Problem“, das behoben werden müsse.

Einige Jahre später entdeckte ich Yoga für mich. Hier fand ich etwas, das ich persönlich im Ballett nie hatte finden können: eine Balance – sowohl für den Körper als auch für den Geist.

Über die Jahre musste ich jedoch feststellen, dass sich am Zustand meiner Skoliose nicht wirklich etwas veränderte. Bisweilen hatte ich sogar das Gefühl, sie verschlechtere sich, obwohl ich sie nie ignorierte und stets versuchte, körperlichen Ausgleich zu finden.

Die Meinungen über den Verlauf einer Skoliose gehen hier auseinander. Einige Menschen, mit medizinischem und nicht-medizinischem Hintergrund, rieten mir, die Skoliose einfach zu vergessen, da ich daran eh nichts ändern könne und ich mich selbst nur unglücklich mache, indem ich mich zu viel auf mein „Problem“ fokussiere. Andere rieten mir, am Ball zu bleiben und daran zu arbeiten, dass sich „das Problem“ nicht verschlechterte. Hier setzte die Verwirrung ein, da ich irgendwie beiden Parteien Glauben schenkte und deshalb nicht wusste, welchen Weg ich denn nun einschlagen sollte.

Im vergangenen Jahr befand ich mich für einige Wochen in einem indischen Yoga-Ashram, wo ich durch viele schulterlastige Übungen eine versteifte Nackenmuskulatur entwickelte, die mich sehr in meinen Bewegungen einschränkte. Mir war klar, dass dies mit den Verdrehungen meiner Wirbelsäule zusammenhing und einige Yogapositionen für mich aufgrund der Skoliose nicht geeignet sind. Außerdem hatte ich die Jahre zuvor viele verschiedene Yoga-Stile ausprobiert und immer versucht, diese möglichst korrekt auszuüben.

Für mich stellte diese Situation eine Art Weckruf dar: Ich wusste, dass es unbedingt an der Zeit war, meinen Körper richtig kennenzulernen. Außerdem sehnte ich mich nach einer Richtlinie, an die ich mich halten und der ich vertrauen konnte, anstatt vieler wohlgemeinter, aber mich stets verwirrender Meinungen. Ich suchte einen Weg, der mir zeigen konnte, welche die richtigen Übungen für mich mit meiner Skoliose sind und welche die falschen. Ich wollte lernen, auf die Voraussetzungen meines eigenen Körpers Rücksicht zu nehmen.

Im Mai 2017 stieß ich auf die osteopathische Klinik „Bone & Body“ in Indien. Ich hielt mich zu dieser Zeit länger in der Region Dharamsala im Norden Indiens auf und entschied mich, in dieser Klinik zwei Monate lang an einem Aufbauprogramm für meinen Rücken teilzunehmen. Da dieses Programm sehr effektiv war und mir seitdem ein neues und ausgeglichenes Körpergefühl verschafft hat, befinde ich mich momentan in Goa, Südindien, wo die Klinik neben Dharamsala ihren zweiten Sitz hat.

Hier setze ich mein Aufbauprogramm einige Wochen fort, um eine konstante Stabilisierung und Verbesserung meiner Kondition zu erreichen. Das Programm bei Bone & Body zeigte mir, dass eine dauerhafte Korrektur meiner Fehlstellung möglich ist. Deshalb möchte ich diesen Ort im nächsten Teil dieser Reihe näher vorstellen und auf die Behandlungsmethoden und Hintergründe eingehen.

Quellen und weitere Information zum Thema Skoliose:
http://www.skoliose.at/skoliose
https://wiki.yoga-vidya.de/Skoliose
http://www.schoen-kliniken.de/ptp/medizin/ruecken/verformungen/skoliose

Über die Katharina-Schroth-Therapie, welche ebenfalls einen hilfreichen Ansatz zur Korrektur der Skoliose verfolgt:
http://www.deutsches-skoliose-netzwerk.de/index.php/ueber-skoliose-de-de/physiotherapie/nachschroth/

Credits

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Diskussion (Ein Kommentar)

  1. […] ist die Fortsetzung meines Artikels “Mein Weg mit Skoliose: Auf der Suche nach Balance“. Hier werde ich die indische Klinik “Bone & Body” vorstellen, durch die ich […]