Der Mensch als Rohstoff

Die Hauptbücherei Wien lud am 15. Juni 2021 gemeinsam mit dem ProMedia Verlag zur Vorstellung des Buches Der Mensch als Rohstoff von Dr. Christian Blasge.

Der Philosoph und Lehrer Dr. Blasge hat zwar keine technische Vorausbildung; dennoch hat ihn vor allem die inhaltliche Auseinandersetzung mit Google-Chefingenieur Ray Kurzweil und dessen Vorhersagen dazu motiviert, die kommenden, massiven technischen Veränderungen philosophisch zu durchleuchten und zu hinterfragen. Es sei schon seit Längerem klar, dass der Mensch nicht mehr mit der Maschine mithalten kann: in der modernen Welt muss sich der Mensch nun der Maschine anpassen (Fließband), wodurch sich der Mensch vom Mensch sein entfremdet und sich als antiquiert erlebt.

Dave, das aktuelle Werk der Schriftstellerin Raphaela Edelbauer, BA, beschäftigt sich u.a. mit künstlicher Intelligenz und weist zahlreiche Referenzen aus der Science Fiction auf. Die gesamte Menschheit hat sich in einen streng hierarchisch organisierten Gebäudekomplex zurückgezogen, nachdem die Außenwelt zerstört wurde. Grundsätzlich sei sie zwar Technologieoptimistin, dass das Internet sich von einer anarchistischen Grundausrichtung hin zu einem von Unternehmen kontrollierten Ort entwickelt hat, sieht sie aber durchaus kritisch.

Die kalifornische Ideologie beschreibt die Gedankenwelt der Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley: diese sektenähnliche Denkrichtung wird vor allem von jungen Menschen vertreten, die meinen, die Welt sei nicht mehr durch Politik, sondern nur noch durch Technologie veränderbar. Zu dieser Veränderung gehört auch die Optimierung des Menschen: sei es durch Medikamente (cognitive enhancer, happy pills), oder durch technologische Eingriffe in Geist und Körper. Die Gesellschaft muss sich früher oder später die Frage stellen, ob es eine gute Entwicklung ist, dass man künftig sein Leben nur noch durch solche Hilfsmittel meistern kann, um im Wettbewerb zu überleben oder überhaupt noch vor die Tür gehen zu wollen. Erste Gedanken zu diesem sogenannten Transhumanismus finden sich laut Blasge schon bei Friedrich Nietzsche, der damals die Frage, wie man Religion überwindet, damit beantwortete, dass er den Menschen selbst zu einem Gott machen wollte.

Weitere Themen dieser durchaus lebendigen Diskussion umfassen Ray Kurzweils Versuch, unsterblich zu werden, Arbeitsplatzverlust durch Digitalisierung, das Bedingungslose Grundeinkommen, den Zeitpunkt, an dem die KI das menschliche Denken überholen wird und vieles mehr. Auch auf Publikumsfragen wird eingegangen.

Die Diskussionsrunde leitete der Radiojournalist Mag. Wolfgang Ritschl.

 

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Der Mensch als Rohstoff Wolfgang Müller 1

Diskussion (Ein Kommentar)

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  1. Lieber Herr Janisch!

    Besten Dank für die Veröffentlichung und den anerkennenden Text!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Christian Blasge