Srebrenica Report (Onlinediskussionsrunde des Promedia Verlags)

Anlässlich des Ende Juli 2021 erschienen Reports zu Srebrenica diskutieren unter der Moderation von Hannes Hofbauer der Politikwissenschafter der Uni Wien und Mitglied der Report-Kommission Walter Manoschek und Germinal Civikov, Autor des Buches „Srebrenica. Der Kronzeuge“.

Der Bericht kommt zu der Erkenntnis, dass die furchtbaren Ereignisse aus dem bosnisch-serbischen Bürgerkrieg im Juli 1995 als Kriegsverbrechen zu bezeichnen sind, dass es sich aber keinesfalls um Völkermord handelt. Wie Walter Manoschek darlegt, wurde der Bericht von der Regierung der Republika Srpska, der neben der Föderation Bosnien und Herzegowina zweiten Entität in Bosnien-Herzegowina in Auftrag gegeben. Eine Kommission von zehn Wissenschaftern, darunter Forensiker, Pathologen, Anthropologen, Journalisten, Juristen, Ethnologen, Historiker, Soziologen und ein Polizeioffizier, untersuchte dabei akribisch den Zeitraum von 1992-1995. Die Bedingungen sind laut Manoschek klar und vertraglich vereinbart worden; es wurde festgehalten, dass es vom Auftraggeber keine Interventionen geben dürfe, also eine völlige Autonomie zu gewährleisten war, dass es jede Unterstützung der Kommissionsarbeit seitens der staatlichen Stellen zu geben habe und der Report unabhängig vom Ergebnis anerkannt werden muss. Von Seiten der Kommission wurde Faktenbezogenheit ohne Vorurteile garantiert.

Das Ergebnis selbst, so Manoschek, war dann ein Schlag ins Gesicht für beide Seiten, denn es wurde einerseits festgestellt, dass von Seiten der bosnisch-serbischen Armee in Sebrenica schwere Kriegsverbrechen begangen wurden, insbesondere an rund 1500-3000 bosniakischen Kriegsgefangenen; andererseits aber fand der kolportierte Genozid mit dem Ziel, die gesamte bosnische Bevölkerung zu liquidieren, nicht statt; bei den Ermordeten handelte es sich zum Großteil um Soldaten der muslimisch-bosnischen Armee. Damit wurde das Narrativ, auf dem die bosnische Identität aufbaut, widerlegt.

Der Bericht hätte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nur wenige Reaktionen in der westlichen Welt hervorgerufen, ergänzt Manoschek. Er werde als obskur dargestellt. Das von den Bosniaken aufgebaute Narrativ, das sich vor allem auf die Aussagen der „Mütter von Sebrenica“ stützt, werde weiterhin als authentisch begriffen. Aus seiner Sicht sei das ein großer Propagandaerfolg.

Germinal Civikov vergleicht in seinem Eingangsstatement die Aufweichung der Kriterien für die von der UNO 1948 festgelegte Definition von Völkermord durch die Richter im Prozess um die Verbrechen im bosnisch-serbischen Krieg im Jahr 2001, die er „kreative Neuinterpretation“ nennt, mit der Veränderung der von der WHO 2005 verfassten Definition einer Pandemie im Jahr 2019. In beiden Fällen kam es aus seiner Sicht zu einer Redefinierung der Kriterien. Im ersten Fall wäre das wohl notwendig gewesen, um die Bombardierung des Kosovo zu ermöglichen, die einen weiteren Genozid verhindern helfen sollte. Seinen Erkenntnissen nach wurden auf der Farm von Bilica nicht wie von einem Zeugen angegeben rund 1200 Männer exekutiert, sondern maximal 147. Ein Mord an einer solchen Menge von Menschen wäre in den 3-4 Stunden, die das Massaker gedauert hat, niemals möglich gewesen – dafür hätte es rund 20 Stunden gebraucht. Auch wären die 7 Täter niemandem befehlsmäßig unterstellt gewesen und hätten aus eigenen Stücken gehandelt.

Hier widerspricht Walter Manoschek vorsichtig, in dem er festhält, dass die Massaker an insgesamt 7 Orten und an 2 verschiedenen Tagen stattgefunden haben und sich durchaus eine Kommandokette beweisen lasse, die sich aber nicht bis zu den höchsten militärischen und politischen Ebenen zurück verfolgen lasse. Forensiker und Pathologen der Kommission haben herausgefunden, dass unter den Opfern rund 300 männliche Zivilisten zu finden waren.

Skandalös finden Manoschek und Civikov unisono das Verhalten des von 2009 bis Ende Juli 2021 amtierenden Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina Valentin Inzko, der wenige Tage nach Veröffentlichung des Berichtes und kurz vor dem Ende seiner Amtszeit ein Gesetz erlassen hat, wonach die Leugnung des Völkermordes mit einer Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren bedroht wird. Das würde ein tabu schaffen und Wissenschafter hindern, der Frage unbeeinflusst nachzugehen.

Manoschek betont abschließend, dass er sich eine internationale Anerkennung der Republika Srpska für diesen unabhängigen Report und eine ebensolche Initiative von Seiten der bosnischen Föderation wünsche. Der Bericht der Kommission wäre erst der Anfang einer unvoreingenommenen Betrachtung der Ereignisse von 1995, es ginge nicht darum, Hass zu schüren, sondern Fakten an die Stelle von Polemiken zu setzen.

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Srebrenica Report Wolfgang Müller 1

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