Der Wille zum aufrechten Gang und der FPÖ-Historikerbericht (BSA-Diskussionsrunde)

Am 24. September diskutierten unter der Leitung des BSA-Vorsitzenden Matthias Vavra

Dr. Brigitte Bailer-Galanda (Historikerin)
Dr. Helmut Brandstätter (NEOS-Politiker und langjährige Journalist)
Dr. Erhard Busek (Ex-ÖVP Chef und Ex-Vizekanzler)
Dr. Caspar Einem (Ex- Innen-, Verkehrs- & Infrastrukturminister)
Robert Wiesner (ORF-Journalist & Dokumentarfilmer)

u.a. die bisherigen Erkenntnisse zum FPÖ-Historikerbericht und die Frage in wie weit der Wille zu einer schonungslosen Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit in Bezug auf den Nationalsozialismus bei den Freiheitlichen, aber auch bei anderen österreichischen Parteien, besteht.

Der Titel der Veranstaltung war nicht zufällig so gewählt, denn unter dem früheren BSA-Vorsitzenden Dr. Caspar Einem wurde bereits vor Jahren ein von unabhängigen Historikern erstelltes Buch mit dem Titel „Der Wille zum aufrechten Gang“ veröffentlicht, das sich explizit mit der Aufarbeitung und der Offenlegung der Rolle des BSA bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten beschäftigt hat.

Der Bund Sozialdemokratischer Akademiker (BSA) weiß daher aus eigener Erfahrung sehr gut welche Voraussetzungen für eine echte Aufarbeitung der eigenen Geschichte gegeben sein sollten, damit ein Historikerbericht auch real etwas bewirkt und es damit zu einer Bewusstseinsveränderung innerhalb einer Organisation kommen kann.

Die ehemalige Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) Dr. Brigitte Bailer-Galanda erinnert daran wie wichtig es ist für Offenheit und Transparenz bei der Erstellung eines Historikerberichts zu sorgen und dass daher die Öffnung der Archive für außenstehende Wissenschaftler sehr wichtig ist, um eine kritische Aufarbeitung sicherzustellen. Es wäre daher für die FPÖ sehr wichtig gewesen auch Historiker und Akteure miteinzubeziehen, die der Partei nicht nahestehen, um zu gewährleisten, dass es sich beim FPÖ-Historikerbericht eben nicht um eine Auftragsarbeit von den Freiheitlichen nahestehenden Historikern und Politikern handelt.

Dr. Einem erinnert daran, dass es auch für den BSA nicht immer leicht war sich seiner eigenen Vergangenheit zu stellen und dass es auch in der SPÖ zu früheren Zeiten Stimmen gab, die dafür plädierten die Zeit des Nationalsozialismus nicht ständig wieder in Erinnerung zu rufen. Für ihn war aber klar, dass der BSA und auch die SPÖ nur dann glaubwürdig ihre antifaschistische Gesinnung leben konnten, wenn sie sich auch mit jenen Kapiteln Ihrer eigenen Geschichte befassen, die in diesem Zusammenhang schmerzen.

Dr. Erhard Busek begrüßt grundsätzlich die Bereitschaft von Parteien und Organisationen sich mit den dunklen Flecken Ihrer Vergangenheit zu befassen und erzählt, dass es auch in der ÖVP nicht immer leicht war dem rechten Flügel der Partei klar zu machen, dass es für eine konservative Partei wichtig ist sich schonungslos mit ihrer eigenen Vergangenheit zu befassen.

Robert Wiesner schildert seine Arbeit an einer Dokumentation zur Rolle und politischen Bedeutung der Burschenschaften in Österreich und beschreibt wie schwer es für Journalisten geworden ist in diesem geschlossenen Milieu zu recherchieren. Für ihn ist klar, dass sich der Außenauftritt vieler Burschenschaften in Bezug auf den Umgang mit dem Nationalsozialismus deutlich verändert hat und man heute bemüht ist sich von dieser Zeit zumindest nach außen abzugrenzen, wie es in den Buden der Burschenschaften diesbezüglich zugeht – Stichwort Liederbuchaffäre – steht auf einem anderen Blatt Papier.

Dr. Helmut Brandstätter gibt Einblicke in seine früheren beruflichen Erlebnisse als Journalist mit Repräsentanten der FPÖ und macht klar, dass er als Bürgerlicher eine klar antifaschistische Gesinnung hat und sein Engagement für die NEOS auch damit zusammenhängt, dass diese Partei ganz klar gegen jede Form des Rechtsextremismus und gegen Eingriffe in den Rechtstaat durch Akteure wie den ehemaligen FPÖ-Innenminister Herbert Kickl auftritt.

Ex-Vizekanzler Busek demonstriert mit seinen Redebeiträgen einmal mehr warum er auch in sozialdemokratischen Kreisen zu Recht sehr geschätzt wird. Dabei besticht er mit der Fähigkeit sowohl kritisch auch über seine eigene Partei zu reflektieren als auch der Sozialdemokratie genau an jenen Stellen ins Gewissen zu reden an denen dies erforderlich ist.

Der BSA zeigt mit dieser Veranstaltung einmal mehr, dass er bereit ist auch mit Intellektuellen außerhalb der SPÖ in einen konstruktiven Austausch zu kommen und es wird klar, dass das Thema des Abends uns noch länger beschäftigen wird, denn gerade bei den Freiheitlichen, die ja aus dem Verband der Unabhängigen (VdU) hervorgegangen sind, und deren politische Ausrichtung klar rechts ist, ist es innerparteilich besonders schwierig sich mit dem für die Partei unangenehmen Thema Nationalsozialismus zu befassen, da die Abgrenzung zum Rechtsextremismus bis heute für die FPÖ mitunter unzureichend ist.

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BSA-FPÖ Wolfgang Müller CC BY SA 4.0