Die psychologischen Methoden des autoritären Staats: Propaganda, permanente Angstmache & Repression

Die klinische Psychologin Frau Mag. Elisabeth Mayerweck und der Kommunikationswissenschaftler, Psychologe und Erziehungswissenschaftler Dr. Roman Braun sind zu Gast beim Kamingespräch mit Doris Peczar.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen die Spaltung der Gesellschaft in der Corona-Pandemie und die psychologischen Methoden, die von Medien und Politik eingesetzt werden, um die Bevölkerung und die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Aktuell sind gewisse Phänomene in der Gesellschaft, wie Angst, Konflikte, Bespitzelungen, Denunziantentum und Zensur zu beobachten. Mitverantwortlich für diese Effekte sind die von den Machthabern genutzten Propagandawerkzeuge, die teilweise aus totalitären Regimen bekannt sind.

Die Spaltung der Gesellschaft, Propaganda, die Dauerbeschallung mit gewissen politischen Informationen und Angstmache verstärken paradoxerweise die Sehnsucht nach autoritärer Führung innerhalb der Bevölkerung. Willkür und Unterwerfung sind Instrumente des Totalitarismus. Schon Hannah Arendt beschrieb den Terror als unverzichtbares Werkzeug von totalitären Regimen, und offenbar befinden wir uns derzeit wieder in einer kritischen Phase.

Es steckt definitiv ein System hinter all dem, erklärt Dr. Roman Braun, allerdings nicht erst seit 2020, sondern bereits seit 1920, als man von Seiten der Elite begonnen hat, einer aufgeklärten Gesellschaft Krieg schmackhaft zu machen. Während bis zum 19. Jahrhundert Krieg ein Teil der Marktwirtschaft war, wurde die Argumentation für Kriege in der aufgeklärten Gesellschaft immer schwieriger. Deswegen wird eine Art „externer Feind“ benötigt und oftmals konstruiert, um Krieg zu rechtfertigen, und die Ermächtigung des Volkes – somit Demokratie – zu unterbinden. Dieser Feind kann z.B. Terror, Islam, oder aber auch ein Virus sein und er stellt ein „Ablenkungsziel“ dar. Wichtig ist aus Sicht der Machthaber, dass sich die Angst und die aufgestaute Energie der Bevölkerung nie gegen die Regierung richtet, sondern immer nur gegen diesen Ablenkungsfeind, erklärt der Psychologe Dr. Roman Braun.

Demokratie kommt nur dann zustande, wenn die Kosten für Repression zu groß werden. Für Dr. Braun ist klar: Die Mächtigen und Reichen waren noch nie an Demokratie interessiert und aus seiner Sicht gibt es lediglich 3 Gründe für demokratische Zugeständnisse seitens der Mächtigen:

  1. Versprechen an die Masse können nicht mehr glaubwürdig übermittelt werden (z.B. „die nächsten drei Wochen werden entscheidend sein“ … „Kein Lockdown mehr“, …)
  2. Ein Volksaufstand, eine Revolution
  3. Konflikt innerhalb der Elite

Da die reichsten Multimilliardäre der Welt, während der Coronapandemie ihre Vermögen erheblich vermehrt haben, wird es auf absehbare Zeit aber kaum einen Konflikt innerhalb der Elite geben, prognostiziert Dr. Braun.

Ein Volksaufstand ist ebenso wenig zu erwarten, da der Österreicher – auch historisch bedingt – kaum zu Revolutionen neigt.

Hingegen scheint es möglich, dass die nicht eingehaltenen Versprechen der Regierung gegenüber der Bevölkerung während der Coronazeit und die Korruptionsfälle der türkisen ÖVP die Glaubwürdigkeit der Regierenden beeinträchtigt und somit die Zustimmung der Bevölkerung zur Regierung deutlich sinken könnte.

Die grundsätzliche Frage nach dem Hang der Menschen, „gehorsam“ dem Diktat der Mächtigen zu folgen, ist zum Teil physioökonomisch begründet, da es für den Menschen deutlich aufwendiger ist, sich zu weigern, als der Masse zu folgen. Zum anderen wird eine Meinungsänderung als erheblich aufwendiger erlebt, als bei einer einmal gefassten Meinung zu bleiben. Teil der Manipulation ist außerdem, dass die Regierung sich stets als undurchschaubar darstellt und Regeln immer wieder ändert, wohingegen die Bevölkerung immer durchschaubarer wird („grüner Pass“). Das hält die Bevölkerung in Angst und macht sie damit für die Machthaber besser steuerbar.

Aus Sicht der Propaganda hat die Regierung leider alles richtig gemacht,  man befindet sich im Krieg gegen das Virus („Nous sommes en guerre“ – Zitat des französischen Präsidenten Macron), und im Krieg ist alles erlaubt, gibt Dr. Braun zu bedenken.

Vergleiche mit der Zeit des Nationalsozialismus werden von Seiten der Regierungspropaganda als nicht zulässig erklärt, obwohl ähnliche psychologische Mechanismen in Bezug auf die Manipulation der Massen auch im 3. Reich zur Anwendung kamen.

Verantwortung für das eigene Verhalten wird abgegeben, man empfindet sich nur als ausführendes Organ, ohne das große Ganze sehen zu wollen oder zu müssen. Manche Menschen erheben sich zu „Blockwarten“, um Macht auszuüben, was im Sinne der Machthaber ist, da dies omnipräsente Willkür signalisiert und die Angst aufrechterhält, erklärt die klinische Psychologin Mag. Elisabeth Mayerweck.

Sie erinnert zudem an das Milgram-Experiment, das gezeigt hat, dass die Bereitschaft durchschnittlicher Personen autoritären Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen, steigt, wenn Sie die Verantwortung für die Konsequenzen und Folgen Ihrer Handlungen nicht selbst zu tragen haben.

Die Coronamaßnahmen der Regierung sind für viele Bürger zur Glaubensfrage geworden. Kritik an diesen Coronamaßnahmen wollen viele Bürger nicht hören, um das eigene Urvertrauen zur Regierung nicht zu erschüttern. Zu akzeptieren, dass die Regierung uns schaden wollen könnte oder zumindest Schäden mit in Kauf nimmt, erzeugt eine kognitive Dissonanz, die vom Menschen als zutiefst unangenehm empfunden, erklärt die klinische Psychologin Mag. Mayerweck.

Wie können wir all dem also sinnvoll begegnen?

Möglichkeiten sich der Regierungspropaganda zu entziehen, gibt es. Einerseits ist es wichtig, die Propaganda als solche zu erkennen, aber auch die Übernahme von Eigenverantwortung, zusätzlich zur Fähigkeit, eine Situation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu können, um zu erkennen, welche Absicht hinter einer Aussage steckt, hilft.

Und man sollte sich zu trauen, Nein zu sagen.

Von besonderer Bedeutung ist es die (politischen) Kosten für die Repression der Mächtigen gegenüber der Bevölkerung in die Höhe zu treiben. Es muss daher ein politisches Ziel der Opposition sein, das zuvor genannte Misstrauen in die Regierenden zu fördern, damit jene Bürger, die schwanken, weil Sie ein gewisses Unbehagen aufgrund der enormen Einschränkung der Grund-, Bürger- und Freiheitsrechte spüren, sich auf die Seite derer schlagen, die ein neues Apartheit System in „Geimpfte“, die uneingeschränkt am öffentlichen Leben teilhaben dürfen, und „Nicht Geimpfte“, die von eben diesem öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen werden, verhindern wollen.

Credits

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Roman Braun, Elisabeth Mayerweck Wolfgang Müller 1

Diskussion (Ein Kommentar)

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  1. Euren Aufsatz habe ich unter http://endederrevolutionen.de/docs/drama.html verlinkt.
    Im letzten Text „Der letzte Tag“ wurde er unter „ dem Gesicht des Teufels“ verlinkt.
    Natürlich würde ich mich freuen, wenn ihr meine staatstheoretischen Überlegungen aufnehmt und diese einen kritischen wissenschaftlichen Diskurs zuführt.
    Wir gehören nicht zum WIR und sollten alles jetzt tun, damit nicht wieder das Wir herrscht.
    Grüße
    Michael