Dr. Helmut Brandstätter – Heilung für eine verstörte Republik

Politik

Zu Gast bei Michael Winkler bei „Reiner Wein – Der politische Podcast aus Wien“
ist der langjährige Journalist Dr. Helmut Brandstätter, der seit 2019 Abgeordneter zum Nationalrat für die NEOS ist. Im Gespräch mit Interviewer Michael Winkler spricht Dr. Brandstätter u.a. über sein neues Buch „Heilung für eine verstörte Republik“.

In einer kürzlich im Parlament gehalteten Rede hat Dr. Brandstätter
kritisiert, dass im Wissenschaftsbudget des österreichischen Staates für 2023 etwa
80% der Mittel für rückwärtsgewandte Technologien ausgegeben werden, und nur 20% für Zukünftiges.

Am Budget der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist Österreich nur mit einem Prozent beteiligt (die Schweiz mit 3,6%). Dies ist aus doppelter Sicht ein Problem: denn einerseits wird der Weltraum in den nächsten Jahren unter jenen aufgeteilt, die an der Erkundung mitmachen; und andererseits fließt jeder Euro, den Österreich in die Esa investiert, wieder an österreichische Unternehmen zurück.

Als er nach seiner Tätigkeit bei der Tageszeitung Kurier in den Nationalrat ging, wollte er sich vor allem im Bereich Außenpolitik und Wissenschaft einbringen. Der studierte Jurist war immer schon fasziniert von der Laborarbeit der Wissenschaft und von ihrer Beharrlichkeit, oft jahrelang an einem Thema zu forschen und Durchbrüche zu erlangen.

Die Menschheit muss sich darauf einstellen, dass sehr bald von Computern mit einer Künstlichen Intelligenz Entscheidungen getroffen werden, die wir nicht beeinflussen können. In der Medizin wird dies in der Therapie zu Fortschritten führen, ebenso beim selbstfahrenden Auto.

In der Auseinandersetzung um KI und Daten zwischen den USA und China spielt Europa leider keine Rolle. Wer an mehr Daten gelangt, wird diese Auseinandersetzung gewinnen, ist Brandstätter überzeugt. Im Moment hat China die besseren Chancen – auch deshalb, weil es das Wort Datenschutz im Chinesischen gar nicht gibt. Es ist auch nicht zu erwarten, dass China unter Xi Jinping auf den vom Westen geforderten fairen Wettbewerb einsteigen wird. Andererseits bremsen autoritäre seit jeher den Tatendrang ihrer Forscher ein, um deren Ergebnisse kontrollieren zu können bzw um politisch unliebsame Entwicklungen oder Wahrheiten unterdrücken zu können, wie man auch während der Coronakrise gesehen hat. Ob sich Freiheit oder Diktatur durchsetzen, wird die Zukunft zeigen.

Als Obmann der parlamentarischen Freundschaftsgruppe der Ukraine ist Brandstätter besonders von die Kriegssituation in der Ukraine betroffen. Der Vorfall der ukrainischen Rakete, die in Polen eingeschlagen ist, zeigt, dass die europäischen Medien funktionieren, da hier die eindeutige Faktenlage klar wiedergegeben wurde – auch wenn manche Boulevardzeitungen wie die deutsche Bild zu Beginn populistische Darstellungen veröffentlicht haben. Brandstätter versteht, dass manche Journalisten angesichts der immensen Zerstörung durch den russischen Angriff emotional werden und sich zu reißerischen Artikeln hinreißen lassen – auch wenn der Job von Journalisten natürlich Objektivitätstreue beinhaltet.

In seinem neuen Buch Heilung für eine verstörte Republik beschreibt Brandstätter unter anderem seine erste Begegnung mit Kanzler Sebastian Kurz, der ihn fragte, ob Brandstätter „sein Freund oder sein Feind“ ist. Sowohl Kurz, als auch sein Adlatus Gerald Fleischmann, der vor Kurzem zum Kommunikationsleiter der ÖVP ernannt wurde, haben beinahe täglich versucht, auf die Berichterstattung des Kurier Einfluss zu nehmen und mehrfach darauf gedrängt, dass Brandstätter seinen Chefredakteursposten beim Kurier verliert – am Ende mit Erfolg.

Warum die EU angesichts der europäischen Geschichte von endlosen Kriegen immer wichtig bleiben wird, wie die Freundschaftsgruppe der Ukraine konkret hilft, wie man in der Ukraine zu einer Lösung kommen kann, warum jedes Land selbst entscheiden muss, wenn es einem Verteidigungsbündnis beitritt, warum Russland trotz sprudelnder Staatseinnahmen immer noch keine Diversifizierung der Wirtschaft zustande gebracht hat und warum der Job eines Politikers wesentlich schwieriger ist, als jener eines Politikers sind weitere Themen dieses Interviews.

Credits

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RW – Dr. Helmut Brandstätter2-YOUTUBE-IPHP Wolfgang Müller 1

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